Das Schwert

26.06.20 14:50
Thomas Zalfen
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Das Matthäusevangelium kennt fünf große Reden Jesu. Der Evangelist zeigt so, dass er in der
Tradition seines jüdischen Volkes fest verwurzelt ist. Er stellt Jesus als zweiten Mose dar, auf den die fünf Bücher der Torah, der Weisung, zurückgeführt werden. Wir kennen diese Torah heute als die ersten fünf Bücher des AT, die Bücher Genesis bis Deuteronomium.


Der Text des Sonntags ist der Abschluss der zweiten Rede Jesu bei Matthäus. Man nennt sie auch die Aussendungsrede, da das Thema die Aussendung der Jünger ist: Wie kommt es zu dieser Aussendung, was für einen Auftrag bekommen die Ausgesendeten und was haben Sie zu erwarten?


Die Verse 34 – 36 werden am Sonntag nicht gelesen. Sie scheinen mir aber wichtig um zu verstehen, worum es geht. Zunächst scheinen Sie unverständlich und hart. Hat Jesus in der Bergpredigt in Kap. 5 nicht die Friedensstifter als Kinder Gottes bezeichnet und seliggepriesen? Hier aber sagt er ganz deutlich, dass er selbst nicht den Frieden bringen will. Das steht in krassen Widerspruch zu unserem Bild von ihm. An den nächsten Sonntagen werden wir hören, dass Jesus aufruft zu ihm zu kommen, da er uns Ruhe verschaffen will (Mt 11,29). Wie passt das zusammen?


Zunächst ist auffällig, dass er statt Frieden nicht den Krieg, sondern das Schwert bringt. Das Schwert mag ein Kriegswerkzeug sein. Es ist aber mehr noch ein Symbol, das für eine scharfe Trennung steht. Es steht für Entschiedenheit. Jesus ist nicht gekommen um einen „Friede-Freude-Eierkuchen“ Zustand herbei zu führen. Wer sich mit ihm beschäftigt und dann in seine Nachfolge eintreten will, der wird vor Entscheidungen gestellt. Es wird hier auf die Spitze getrieben, aber durch diese Übertreibung wird klar, worum es geht. Es geht um eine entschiedene Haltung für oder gegen Jesus. Dazwischen gibt es nichts. In der Beschäftigung mit dem Matthäusevangelium wird das an vielen Stellen deutlich. Da werden hohe Ideale beschrieben. Und ich muss mich fragen lassen und mich entscheiden, ob ich diesen
Ideale anstrebe oder nicht. Dass das Auswirkungen bis in unsere engsten Beziehungen hinein hat machen die nächsten Verse deutlich. Matthäus zitiert hier Verse aus dem Propheten Micha (Mi 7,6).

Seine Gemeinde wird diesen Hinweis sofort verstanden haben. Der Evangelist zeigt so in welcher Tradition er steht und er gibt den Hinweis: „Ihr wisst doch, wenn der von uns erwartete Messias kommt, dann sind auch unsere sozialen Strukturen bis ins Mark betroffen.“ Die Familie war damals DIE tragende Institution der Gesellschaft. Ohne Familie war und hatte man im wahrsten Sinne des Wortes nichts. Wir verbinden Familie heute eher mit der emotionalen Ebene. Aber heute wie amals kennen wir das auch, dass, wenn ich feste Ansichten habe, es zu Konflikten kommen kann, wenn in meinem engsten Umfeld jemand völlig anders denkt oder handelt. Es ist wichtig zu verstehen, dass es nicht darum geht solche Konflikte zu provozieren. Der Text gibt den Hinweis, dass wir damit rechnen müssen, dass sie kommen! Es geht nicht um Provokation, sondern um Beschreibung der Konsequenzen, die uns erwarten, wenn wir entschieden in der Nachfolge Jesu unterwegs sind.


Im Evangelium wird dies von Jesus selbst erzählt. Seine eigene Familie distanzierte sich von ihm mit dem Hinweis: „Er ist von Sinnen“. Jesus hat demgegenüber dann seine neue Familie beschrieben: „Jeder der den Willen des Vaters tut, der ist mir Bruder, Schwester und Mutter“(Mt 12,50). Die Entschiedenheit in der Nachfolge kann zu einer Trennung mit meiner Herkunftsfamilie führen, bietet mir aber auch die Beheimatung in neuen Zusammenhängen.