Frage am Ende der Tage - Impuls zum 22.11.

Gemeindereferent Tobias Wolf macht sich seine Gedanken zum Sonntagsevangelium - heute in Gedichtform.
annemone123_pixabay
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Datum:
20. Nov. 2020
Von:
Tobias Wolf

Evangelium vom Sonntag: Mt 25,31-46
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen. Und alle Völker werden vor ihm versammelt werden und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet. Er wird die Schafe zu seiner Rechten stellen, die Böcke aber zur Linken.

Dann wird der König denen zu seiner Rechten sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, empfangt das Reich als Erbe, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist! Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen.

Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben oder durstig und dir zu trinken gegeben? Und wann haben wir dich fremd gesehen und aufgenommen oder nackt und dir Kleidung gegeben? Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.

Dann wird er zu denen auf der Linken sagen: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist! Denn ich war hungrig und ihr habt mir nichts zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben; ich war fremd und ihr habt mich nicht aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir keine Kleidung gegeben; ich war krank und im Gefängnis und ihr habt mich nicht besucht.

Dann werden auch sie antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig oder fremd oder nackt oder krank oder im Gefängnis gesehen und haben dir nicht geholfen? Darauf wird er ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan. Und diese werden weggehen zur ewigen Strafe, die Gerechten aber zum ewigen Leben.

 

Gedanken zum Text von Tobias Wolf

Am Ende der Tage,
am Ende der Welt:
Wie lautet die Frage,
die Jesus dir stellt?


Nicht: Bist du wer gewesen?
Nicht: Wie hoch war deine Gage?
Nicht nach deinen Spesen
oder dem Ding in der Garage.


Nicht: Wen hast du besiegt?
Nicht: Wie viel hast du abgenommen?
Nicht: Wieviel Likes hast du gekriegt?
Nicht: Hast du jemals Gold gewonnen?


Nicht: Kennst Du Hegel, Kant und Hesse?
Nicht: Hast du jeden Morgen meditiert?
Nicht: Warst Du Sonntags in der Messe?
Nicht: Warst du rechtmäßig liiert?


Sondern: Wen hast Du verlacht?
Was hast Du vertuscht?
Wen hast Du zum Schweigen gebracht
und vor wem hast Du gekuscht?


Wen hast du abgeschoben?
Wen hast du isoliert?
Wen hast du angelogen?
Wen hast du ignoriert?


Und: Hast Du die Schwachen beschützt?
Hast Du die Armen gestützt?
Hast Du jemandem genützt?
Und hast du auch reichlich gebützt?


Nicht: Warum warst du nicht Sankt Martin oder Martin Luther King?
Nicht: Warum warst du nicht Madonna, Maradonna oder Sting?
Nicht: Warum warst du nicht Bischof oder Herzog von und zu?
Sondern: Warum warst du kein Mensch? Warum warst du nicht du?