Fürchtet euch nicht!

19.06.20 19:12
  • Impulse
Thomas Zalfen

Nach all den Feiertagen werden wir jetzt durch den „Alltag“ vom Matthäusevangelium begleitet. Der Evangelist schreibt für eine judenchristliche Gemeinde, die tief in ihrer Tradition verwurzelt ist. So ist es ihm wichtig aus diesen Traditionen zu schöpfen und Jesus als den Bewahrer und Erfüller der Erwartungen seines jüdischen Volkes darzustellen.


Mose, der die fünf Bücher der Thora, der Weisung, verfasst hat, ist das Vorbild, nach dem der
Evangelist Jesus in seinem Text fünf prägnante Reden halten lässt. Die bekannteste ist die
Bergpredigt mit den Seligpreisungen.


Der Abschnitt dieses Sonntags ist aus der zweiten Rede, der sogenannten Aussendungsrede. Den Beginn dieser Rede hatten wir vergangenen Sonntag gehört. Dort hieß es, dass Jesus wahrnahm, dass die Menschen müde und erschöpft waren wie Schafe ohne Hirten. Und dass ihn diese Wahrnehmung bis in sein Innerstes berührte. Als Antwort auf diese Wahrnehmung sandte er Menschen, die sich ebenso wie er, von der Müdigkeit und Erschöpfung der Menschen berühren lassen. Und das waren ganz konkrete Menschen, ganz konkrete Charaktere, dargestellt durch die Auflistung der Namen der Apostel. Sie haben von Jesus den Auftrag und die Fähigkeit, „Vollmacht“ wie es im Text heißt, sich von den hirtenlosen Menschen anrühren zu lassen und im Sinne Jesu zu reagieren.


Der heutige Abschnitt ist der Mittelpunkt der Aussendungsrede. Er ist also Teil eines größeren
Zusammenhangs. Das darf nicht vergessen werden, damit hier nicht der Eindruck von Einseitigkeit entsteht. Es wird geschildert, was den Ausgesendeten begegnen kann, die sich von der Müdigkeit und der Erschöpfung der Menschen anrühren. Sie werden Gegenwind erfahren und zwar massiven Gegenwind. Ja, selbst das Martyrium klingt als Möglichkeit an.
Offensichtlich waren diese Anfeindungen Realitäten im Leben der Gemeinde des Matthäus. Etwas, dass wir so, Gott sei Dank, nicht kennen. Aber auch wir erfahren gerade ja, dass Kirche und Glaube nicht systemrelevant sind für unsere Gesellschaft, um eine Krise zu meistern. Aber der Fokus liegt nicht auf den Schwierigkeiten. Der Fokus liegt auf der Aufforderung, die drei Mal ausgesprochen wird: „Fürchtet Euch nicht!“ Egal, wie heftig oder lebensraubend die Anfeindungen auch sein mögen.


Die Zusage und der Beistand dessen, der beauftragt und aussendet ist da und ist stärker. Wichtig ist, dass diejenigen, die sich darauf einlassen, den Müden und Erschöpften im Sinne Jesu zu begegnen, dass diese sich nicht von Furcht leiten lassen. Sie sind eingeladen in ein Vertrauen hinein zu wachsen, dass sie nie aus der Fürsorge des Vaters fallen können. Dieses Vertrauen ist wichtig, um im Sinne Jesu in seiner Vollmacht handeln zu können. Aber dieses Vertrauen muss selbst wachsen. Es ist kein ewiges habbares Gut, dass ich mir aneignen, in die Tasche stecken und bei Bedarf einsetzen kann.


Dieses Vertrauen muss wachsen und speist sich aus den Erfahrungen, die ich mache, wenn ich mich in die Fußstapfen Jesu begebe.