Sondengänger 

25.07.20 11:03
  • Impulse
Peter Otten
Thomas Schwarz (c) Thomas Schwarz

Als Kind habe ich mir einen Metalldetektor gewünscht. Ich hatte sie im Fernsehen gesehen: Männer, die mit einem Gerät, das einer stummen Motorsense nicht unähnlich war, über Felder und durch Wälder gingen und aufmerksam in den Kopfhörer lauschten. Und aufmerkten, als der Kopfhörer in ihre Ohren ein pfeifendes Geräusch entließ: „Uiiiihhhhuuuiiiiihhh.“ Dann legten die Männer das Gerät zur Seite und begannen zu graben. Es gab Sondengänger – so nennt man sie nämlich – die recht erfolgreich waren und Bedeutsames gefunden hatten. Es gab andere, die über ein paar Münzen und Patronen nicht hinausgekommen waren. Und sie gab es natürlich auch: die Gauner, die wertvolle Funde unterschlugen und auf dem Schwarzmarkt verkauften. Und es gab in meinem Kinderleben eine Zeit, da wollte ich auch ein erfolgreicher Sondengänger, ein Schatzsucher sein und wähnte die heimischen Wälder voller Goldbatzen und Diamanten.  

Das ist alles lange her. Und doch muss ich immer wieder daran zurückdenken, wenn ich die Geschichte lese, die am Sonntag im Evangelium erzählt wird. Es ist das erste von drei Gleichnissen, das Jesus erzählt, um denen, die er trifft klarzumachen, was das ist: das 
Reich Gottes oder das Himmelreich. Der Münsteraner Philosoph und Theologe Klaus 
Müller hat das mal so beschrieben: 
„Reich Gottes ist der Name für das, was geschieht, wenn nichts mehr zwischen Gott und einem Menschen steht.“ Hey, wer wollte exakt das nicht finden? Klingt ja wirklich nach Paradies. Was aber bedeutet das genau? Müller sagt: „Wenn der (Mensch) es darum wieder aushalten kann mit sich und anderen, wenn er trotz manch Bitterem und Schwerem irgendwie froh sein und getröstet seine Tage leben kann.“ 
Ich habe das für mich so übersetzt: Es ist der Himmel, wenn ich mich selbst annehmen kann. Wenn ich die Jagd nach meiner Selbstoptimierung einstelle und das okay finde. Wenn ich das Großartige genießen kann und das Schreckliche mich nicht mehr lähmt. Wenn ich nicht nur mich selbst, sondern auch den anderen sein lassen kann und der andere mich. Wenn ich mich selbst nicht mehr jage. Wenn Menschen einander nicht mehr jagen und mit Erwartungen überhäufen. Wenn ich spüre: es ist gut, dass ich da bin – und mehr gibt’s nicht zu sagen. 

 

Foto: Thomas Schwarz