Konflikte

04.09.20 17:01
  • Impulse
Lisa Brentano

Das 18. Kapitel des Matthäus-Evangeliums ist als vierte von fünf großen Reden Jesu konzipiert. Der Evangelist Matthäus knüpft an die Tradition des Alten Testaments an und betont vielfach die jüdischen Wurzeln des jungen Christentums. In diesem Kontext ist auch die Zusammenschau der fünf großen Reden Jesu zu verstehen, die an den jüdischen Pentateuch erinnern. Das 18. Kapitel scheint als Rede darunter ein Sammelsurium verschiedener kleiner Redestücke zu sein, deren Kontext und Herkunft nicht klar sind. Das macht die einzelnen Redeabschnitte jedoch nicht weniger wichtig! Interessant ist, auf welche Art und Weise die einzelnen Stücke miteinander in Verbindung gebracht werden, wie der Text also „komponiert“ ist. Deutlich wird: der Blick im 18. Kapitel geht insgesamt auf die Gemeinde selbst und ihr Zusammenleben untereinander.  

Im Zentrum des heutigen Sonntagsevangeliums steht ein Konflikt und der Umgang damit. Matthäus benennt die verschiedenen Deeskalationsstufen: Die 4-Augenrede, die 6- oder 8-Augenrede, die Unterredung mit der Gemeinde bis hin zur Bannung des Sünders, also desjenigen, der offenbar nicht im Einklang mit dem Willen Gottes stehen will. Was Matthäus aufzählt sind keine von ihm frei erfundenen Schritte zur Konfliktlösung, sondern sie waren bereits im Judentum und im zu dieser Zeit geltenden Recht zu finden. In diesem Abschnitt ist der Konflikt deutlich religiös motiviert und geht davon aus, dass der Sünder eindeutig sündigt und die Anklagenden sich miteinander einig sind. Nicht selten hat in der Kirchengeschichte die Auslegung dieses Textes dazu gedient die sog. „Kirchenzucht“ zu rechtfertigen; Recht wurde missbraucht, um einzelne anzuklagen und im schlimmsten Fall zu bannen.  
Heute steht für mich eines im Mittelpunkt: der Konflikt- und das leidenschaftliche Ringen Miteinander gehören zur Gemeinde dazu. Das war Matthäus so, das ist heute so. Die Auseinandersetzung über den „rechten Weg“, über das, was Gott von uns als Gemeinschaft möchte, gehört neben aller Harmonie und dem Zusammenhalt immer schon zu uns. Und eins macht Matthäus klar: der Konflikt läuft nicht ohne Gott ab. Gott steht mitten im Streit. Und es ist doch interessant, dass das berühmte „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ genau in diesen Kontext genannt ist. Da sind nicht zwei oder drei beim harmonischen Gemeindeplausch, da ist Streit. Und mittendrin Gottes Sohn.  

Ihre Lisa Brentano
Pastoralreferentin 

Boxenstopp

Boxenstopp - Jetzt anmelden

Auf dem Weg im Sendungsraum Köln-Mitte. Sie sind ganz herlich eingeladen zur Mitarbeit in den Projektgruppen.

Kirchenempfang

Jetzt engagieren

Unterstützen Sie uns beim Empfangsdienst in den romanischen Kirchen. Erfahren Sie mehr über die Möglichkeit sich bei uns zu engagieren.

Gottesdienste in Köln-Mitte

Wir freuen uns mit Ihnen Gottesdienste zu feiern. Alle Termine und Anmeldemöglichkeiten finden Sie hier auf unserer Webseite und wir würden uns freuen, wenn Sie sich ein kostenfreies Ticket buchen und gemeinsam mit uns den Gottesdienst unter Berücksichtigung der Sicherheitsmaßnahmen feiern.