Gedanken zum Evangelium

Als jemandem, der für die Kirche arbeitet, der sich also öffentlich verpflichtet
hat, ein Jünger Jesu sein zu wollen, kann ich die Aufträge, die er den Zwölfen
gegeben hat, schlecht ignorieren.

Und im Lesen merke ich, wie weit ich dahinter zurückbleibe.
- Habe ich heute jemandem verkündet, dass das Himmelreich nah ist?
Anders gefragt: Habe ich heute jemandem das Gefühl gegeben, das Gott bei ihm
ist, dass die Welt eine sinnvolle Schöpfung ist und wir eine begründete Hoffnung
haben, dass alles gut wird?
- Habe ich heute Kranke geheilt oder Tote erweckt?
Anders gefragt: Habe ich heute einem Menschen Schmerz genommen, etwas
Belastendes erleichtert, jemandem einen Weg zu mehr Leben eröffnet, Zuversicht
aufgezeigt, wo es nicht weiterzugehen schien?
- Habe ich Aussätzige rein gemacht oder Dämonen ausgetrieben?
Anders gefragt: Habe ich mich Menschen zugewandt, die sonst keiner
wahrnehmen will, habe ich etwas dafür getan, dass sie Teil der Gemeinschaft
werden? Habe ich mich den Kräfte der Lüge, der Gier und des Hasses
entgegengestellt?
- Und schließlich: Habe ich umsonst gegeben, wie ich umsonst empfangen habe?
Habe ich meine Geld, meine Zeit, meine Aufmerksamkeit, mein Lächeln
bereitwillig verschenkt, ohne etwas dafür zu erwarten?
Es tröstet mich schon, dass auch die Zwölf immer wieder hinter Jesu Vorbild
zurückblieben und immer wieder daran arbeiten mussten. So wie ich.

 

von Tobias Wolf