Impuls von Pfarrer Dr. Peter Seul

Ostern feiern in Zeiten der Pandemie

„Ostern ist der christliche Urfeiertag. Die Kirche feiert das ‚Pascha‘ (Durchgang): Sie gedenkt der Befreiung des Volkes Gottes aus dem Sklavenhaus Ägyptens; sie preist Gottes Größe und Treue in Schöpfung und Neuschöpfung; wachend erwartet sie den Herrn, der die Nacht des Todes zur Auferstehung durchschritten hat. Denn dies ist die Nacht, in der die Glaubenden von der Hoffnungslosigkeit zur Hoffnung, von der Trauer zur Freude, von der Bedrängnis in die Freiheit, vom Tod zum Leben geführt werden“, so wird der Ostersonntag im Gotteslob beschrieben (GL 311). Doch in diesem Jahr ist durch die Pandemie alles anders geworden! Das höchste christliche Fest kann nicht öffentlich gefeiert werden. Und statt Hoffnung Resignation, statt Freude Niedergeschlagenheit, statt Freiheit Kontaktsperre, statt Leben die Möglichkeit einer schweren Erkrankung. 

Manche sprechen in diesem Zusammenhang von einer „Katastrophe apokalyptischen Ausmaßes“. Als Apokalypse versteht man prophetische Beschreibungen des Weltendes. Das Ende der Welt findet nach der Matthäuspassion auf Golgota statt. Jesus stirbt, und „die Erde bebte und die Felsen spalteten sich. Die Gräber öffneten sich und die Leiber vieler Heiligen, die entschlafen waren, wurden auferweckt… sie verließen ihre Gräber, kamen in die Heilige Stadt und erschienen vielen“ (Mt 27,51-53). Die Theologie und die Verkündigung tun sich oft schwer mit solch drastischen Bildern. Die Filmindustrie hat demgegenüber keine Bedenken: Die schrecklichen Szenarien der Bibel vom Ende der Welt sind die Vorlagen für viele Katastrophenfilme. Sie alle zelebrieren vor allem die Lust am Untergang. Die Pointe der biblischen Apokalyptik aber ist die Freude auf das Neue: Die Gräber werden geöffnet, weil der Tod begraben wird und das Leben beginnt. Die Matthäuspassion nimmt dem Tod nichts von seinem Schrecken. Sie vermittelt aber eine Ahnung von dem grandiosen Endspiel, das Gott gewinnt – für alle, denen er das Leben schenkt.

Der Apostel Paulus sieht es ähnlich, wenn er sagt: Die Auferstehung Jesu nimmt unsere Auferstehung vorweg. Ohne sie könnte Gott nicht „alles in allem“ (1 Kor 15,28) sein. Und ohne sie wäre der Tod nicht endgültig gestorben. Jesu Auferstehung ist der Grund einer unglaublichen Hoffnung für alle Menschen: Sie müssen zwar alle sterben, sie werden aber durch Jesus aus dem Tod ins ewige Leben geführt. Die Auferstehung Jesu kann nicht bewiesen werden. Sie bedeutet ja den Übergang aus unserer Zeit in die Ewigkeit Gottes. Sie ist vielmehr eine Sache des Glaubens. Glaube aber lässt sich nicht erzwingen. Denn Gott achtet und respektiert die Freiheit des Menschen. Wer glaubt, darf sich befreit wissen von der Macht des Todes. Und er kann hoffen, dass die kleinen Auferstehungen im Alltag, die es auch in Zeiten der Krise immer wieder gibt, ein Zeichen für die große Auferstehung sind.