Grußwort zum 3. Ostersonntag

Dominik-Meiering

Liebe Schwestern und Brüder!

„Das ganze Leben ist ein ewiges Wiederanfangen,“ so hat Hugo von Hoffmannsthal gesagt.

Und so fühle ich mich in diesen Tagen seit dem Weißen Sonntag. „Lockerungen“ und „langsame Rückkehr zum normalen Leben“ sind die Schlagworte, die derzeit in aller Munde geführt werden. Das soll für viele Bereiche des öffentlichen Lebens in den nächsten Wochen versucht werden – immer unter dem Vorbehalt, dass das Corona-Virus nicht wieder neu unkontrollierbar aufflammt. Und auch: öffentliche Gottesdienste sollen voraussichtlich ab dem 4. Mai wieder möglich sein. Frisöre und Baumärkte dürfen offen sein dürfen – warum nicht dann auch die Kirchen zu ihren Gottesdienstversammlungen, so fragen viele verständlicherweise. Und es ist wunderbar zu erleben, dass viele Christen Sehnsucht nach der gemeinsamen Glaubensfeier und nach der Eucharistie haben.

Wie wieder anfangen mit den Gottesdiensten? Wir wissen es noch nicht. Die Verantwortlichen in unserem Bistum und die Politik sind im Gespräch, genau miteinander zu vereinbaren, wie die Wahrung des Infektionsschutzes und ein frohes gemeinsames Gottesdienstfeiern zusammen zu denken sind. Eins ist aber schon jetzt klar: Es wird die Abstandsregel geben, Zugangsbeschränkungen wegen der Platzzahl mancher Kirchen, Regelungen zum gemeinsamen Singen und zum Kommunionempfang und so weiter… Es ist ganz klar: das ist weit von einer Rückkehr zur Normalität entfernt. Es ist ein Wiederanfangen unter der Perspektive, dass wir noch einige Male in den kommenden Wochen und Monaten wieder anfangen werden – je nach Lage und Möglichkeiten.

Manche machen sich Sorgen: „Gottesdienst feiern ist doch unter solchen Bedingungen nicht wirklich möglich.“ Und: „Kommunion empfangen geht doch nur, wenn man gleichzeitig auch Communio – Gemeinschaft – miteinander hat. Ob das wirklich erlebbar werden wird?“ Oder: „Passt das zur Eucharistie, sie so anders und unter labormäßigen Hygienebedingungen empfangen zu sollen?“ Und noch: „Werden wir dann jetzt eine eigentlich unvollständige Liturgie für lange, unabsehbare Zeit etablieren und darüber vielleicht das wichtigste verlieren, was wir eigentlich brauchen: die Aufmerksamkeit und Liebe füreinander?“

Ich teile diese Sorgen und wir machen uns als Pastoralteam in diesen Tagen auch viele Gedanken dazu. Denn es wird ja weiterhin gelten: auch wenn wir die Kommunion wieder empfangen können braucht es in diesen Zeiten noch ganz anderer Formen von Communio – von Gemeinschaft. In den vergangenen Wochen konnten wir hier vieles Hoffnung stiftendes erfahren bei den Kirchbesuchen, den Hausgottesdiensten daheim, der Hilfe für den Nachbarn und Nächsten und was da nicht alles an schönen Anfängen aufgekeimt ist. Klar ist: Allein der Empfang der Kommunion gibt noch keine Antwort darauf, wie wir in den nächsten Wochen und Monaten Communio – Gemeinschaft – leben wollen. Auch die Fragen nach dem konkreten Gemeindeleben, der Erstkommunion oder der Firmung, den Taufen und Trauungen, den Chorproben und Gruppentreffen wollen ja irgendwann beantwortet werden und gehören ja untrennbar zu unserem Glaubens- und Gemeinschaftsleben dazu.

Ich versuche derzeit von Tag zu Tag und von Woche zu Woche zu gehen. Und immer wieder neu anzufangen. Mit Vertrauen in Gott und die Menschen, die ich kenne und die mit mir leben in der Gemeinde, in der Nachbarschaft, im Freundeskreis. Mit denen, die mit mir Verantwortung tragen. Und bei alledem nicht die Hoffnung und die Zuversicht zu verlieren. Denn es gibt ja einen neuen Anfang – immer wieder. Und es gibt Möglichkeiten:. Wie sagt Christian Morgenstern: „Wir brauchen nicht so fortzuleben, wie wir gestern gelebt haben. Macht euch nur von dieser Anschauung los, und tausend Möglichkeiten laden uns zu neuem Leben ein.“

Am meisten freue ich mich heute aber auf viele Wiederbegegnungen. In den vergangenen Tagen haben wir viele Videokonferenzen gehalten – mit dem Pastoralteam, dem Pfarrgemeinderat, dem Kirchenvorstand. Und jedes Mal war da große Freude, den anderen zu sehen und zu hören. Die vertrauten Gesichter und wunderschönen Eigenarten der Freunde und Wegbegleiter wiederzuentdecken. Wenn wir ab dem 4. Mai unsere Pfarrbüros wieder öffnen, werden wir auch dort die uns vertrauten sympathischen Gesichter wieder sehen – wenn auch voraussichtlich nur hinter Atemschutzmasken. Und ich freue  mich – wenn auch unter erschwerten Bedingungen – wieder miteinander Eucharistie feiern zu können. Das hat mir sehr gefehlt. Dabei hoffe ich, dass wir bald immer mehr Gemeinschaft miteinander teilen können – im Kleinen und im Großen.

Eines ist mir noch wichtig: wir werden uns die Zeit nehmen, die wir brauchen, um nach Maßgabe der Anordnungen und nach den Möglichkeiten vor Ort die Planung und Vorbereitung der öffentlichen Gottesdienste und all der anderen anstehenden Fragen auf den Weg zu bringen. Wir wollen keine Schnellschüsse, sondern überlegtes, verantwortliches Vorgehen. Das sind wir alle einander schuldig. Vielleicht können wir hierzu in der kommenden Woche ja schon etwas mehr sagen…

Mit sonnigen Grüßen und besten Segenwünschen für einen weiteren frohen Ostersonntag!

Ihr und Euer Dominik Meiering, Pfr.

Ein Gruß von Pfr. Dr. Dominik Meiering