Gedanken zum 4. Ostersonntag von Peter Otten

Entschuldigung, aber ich muss mal wieder von Hunden erzählen. Genauer gesagt von meinem Hund. Das nervt jetzt die, die Hunde nicht mögen oder aber finden: Der Peter Otten, der übertreibt mit seinen Hundegeschichten. Sorry, aber es passt wirklich so gut zum Sonntag. Vermutlich hätte ich Greta sogar in die Kirche mitgebracht. Dann hätte ich live zeigen können, was ich meine. Naja, geht nicht,
deswegen gibt’s hier wenigstens ein Bild von ihr.


Also.
Ein sehr wichtiges Mittel in der Kommunikation mit Hunden ist die Stimme des Menschen. Das kannst du selbst gut beobachten, auch wenn du gar keinen Hund hast. Manchmal kriegst du mit, dass ein Hund nicht gut auf ihren Menschen hört. Zum Beispiel klappt der Rückruf nicht gut. Die Menschen möchten, dass der Hund zu ihnen zurückkommt.


Aber der? Denkt gar nicht dran.


Und dann bekommst du mit, wie sich die Stimme des Menschen verändert. Er spricht dann lauter, herrischer, die Stimme wird dunkel, bestimmt und zornig. Meistens hat das aber keinen Erfolg. Mitunter folgt dann heftiges Gebrüll. Das berühmte „Hierher, aber dalli!“ Im Normalfall wird der selbstbewusste Hund das aber nicht tun. Warum sollte er zu einem Menschen kommen, der brüllt? Eben.
In der Hundeschule lernst du, die Stimme motivierend und belohnend einzusetzen. Wie geht das? Zum Beispiel so: Du bringst dem Hund bei, dass er kommt, wenn du


ihn rufst. Dafür belohnst du ihn, zum Beispiel mit Futter. Du kannst ihn aber auch mit deiner Stimme belohnen. Indem du mit dem Tonfall deiner Stimme ausdrückst, dass du dich darüber gerade so doll freust, als wären Weihnachten und Ostern gerade an einem Tag. Und der Hund das wichtigste Lebewesen auf der Welt. Als hättest du gerade sechs Richtige im Lotto. Indem du also pure Freude in deine Stimme legst.


Wenn der Hund akkustisch diese Erfahrung gemacht hat, dass du dich wie eine Schneekönigin freust und das schon am Klang deiner Stimme merkt – dann wird er immer wieder zu dir kommen.


Und zwar gerne und freiwillig.
An diese Alltagserfahrung musste ich denken, als ich die Geschichte las, die wir am Sonntag im Gottesdienst hören würden. Jesus denkt laut darüber nach, wem Schafe vertrauen. Sie vertrauen dem, dessen Stimme sie kennen. „Wenn (der Hirt) alle seine
Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus, und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme“ überlegt er. Ein Hirt, der etwas von seiner Arbeit versteht, nutzt also seine Stimme wie ein Türöffner. Der Ton macht die Musik: Die Tonalität der Stimme signalisiert schon, ob jemand es gut mit den Tieren meint. Hunde wie Schafe merken: mein Mensch meint es gut mit mir. Er geht mit mir an gute Orte. Er legt mich nicht rein.


Ein guter Mensch mit einer freundlichen Stimme macht mir die Tür auf. Und zeigt mir die Welt. Gute Menschen sind wie Lotsen: Sie kommandieren nicht rum und wissen nicht alles besser. Sie sind nicht belehrend, polternd und übergriffig. Im Gegenteil. Lotsen
bringen andere auf eine Spur. Lehrerinnen und Lehrer, Väter und Mütter, Trainerinnen und Trainer, Ausbildungsleiter, Professorinnen, Chefinnen und Chefs. Sie spinnen an Visionen rum, wecken Kreativität, hören zu, ermutigen, stützen, schmieden Pläne. Gerade in der Coronakrise wissen gerade die Eltern, was das bedeutet: sie sind ja für ihre Kinder da bis zur Erschöpfung und halten selbst da
Türen auf, wo es gerade furchtbar schwer wird.


Gute Menschen sind wie Lotsen. Indem sie die Tür aufmachen helfen sie anderen dabei, das was seit ihrer Geburt als Gottes Abbild in ihnen liegt zu entdecken: Talent. Weite. Sehnsucht. Glück. Erfüllung. Das ist die Botschaft Jesu an diesem Sonntag: Wer Türen aufmacht hilft dem anderen, den göttlichen Kern in sich zu finden, der da immer schon ist: Leben in Fülle. Ein Leben, das gelingt. Ob der andere nun ein Schaf ist. Ein Hund. Oder ein Mensch. 


Ich wünsche euch in der kommenden Woche Lotsenerfahrungen: Türen, die aufgehen. Sprünge auf eine grüne satte Weide. Die Ahnung von einem gefüllten, gelingenden Leben.


Mit herzlichen Grüßen
Peter Otten, Pastoralreferent

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