Worte von Peter Otten

Liebe Leserinnen und Leser,

immer noch irritiert mich die Ungleichzeitigkeit, in der wir gerade leben. In den Minuten, in denen ich dies schreibe, versinkt die Sonne vor einem stahlblauen Himmel neben der Agneskirche. Ein prachtvoller Maienabend zieht herauf. Die Bäume können vor lauter Lebenssattheit kaum stehen und scheinen sich zufrieden im langsam austrubelnden Wind zu wiegen. What a wonderful world!

Auf der anderen Seite: In dieser Woche haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bürgerzentrum Alte Feuerwache von ihren Sorgen erzählt. Der Lockdown gefährdet gerade die Weiterarbeit dieses wichtigen Hauses. Oder: Jeden Morgen blicke ich auf die leeren Fenster der Förderschule in der Blumenthalstraße. Die Schülerinnen und Schüler sind verschwunden. Wie mag es ihnen gehen? Wer kümmert sich um sie? Wo stecken sie? 

Diese Ungleichzeitigkeit auszuhalten ist nicht einfach. Sie findet sich ja auch in den Menschen. Frust und Angst ringen mit Lebensfreude und Zuversicht. Gewissheiten werden brüchig. Stabilität geht stiften. Fragen türmen sich auf, auch dort, wo jetzt Antworten gut täten.

Diese Ungleichzeitgkeit zeigt sich auch in der Agnespfarrei. Vertraute Gesichter vermissen einander. Vertraute Gruppen und Runden. Stühle und Plätze bleiben leer. Verwaist.

Am Sonntag sagt Jesus im Evangelium: „Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, sondern ich komme wieder zu euch.“ Über den Satz habe ich in dem Impuls nachgedacht, den Sie in diesem Newsletter finden können. Man könnte ihn zynisch finden in einer Welt, die sich gerade so verwaist anfühlt. Der Gedanke des Evangeliums geht so: Wo Lebendigkeit zurückkehrt lebt Jesus weiter. Und diese Lebendigkeit schenken Menschen einander zum Glück ja auch in diesen Tagen. Noch klein und zerbrechlich, aber immerhin. Wo sie einander nicht im Riss lassen. Denn damit fängt Lebendigkeit immer an.

In diesem Newsletter lesen Sie, was in der kommenden Woche los ist. Wenn Sie mögen kommen Sie zum Beispiel zu den Gottesdiensten. Am 24. Mai beginnen wir auch wieder mit dem Kinder- und Familiengottesdienst um 10 Uhr. Jedes Zeichen von Normalität ist für uns wichtig, haben Eltern gesagt. Also werden wir ausprobieren, ob das schon wieder geht: Spuren von Lebendigkeit miteinander zu entdecken. 

Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit!

Herzliche Grüße
Peter Otten
Pastoralreferent von St. Agnes