Auf dem Berg

Impuls zum 2. Fastensonntag von Schwester Andrea Spyra
berggipfel
berggipfel
Datum:
26. Feb. 2021
Von:
Florian Duczek

Am Abend des 3. April 1968 hielt Martin Luther King, der sich in Amerika bis zur Hingabe seines Lebens für die Bürgerrechte und die Gleichstellung der Menschen eingesetzt hat, eine Ansprache, die später „Berggipfelrede“ genannt wurde. Es war seine letzte Rede; denn am folgenden Tag wurde er ermordet. Diese Rede beendete er mit diesen Worten: „Gott hat mir erlaubt, auf den Berg zu steigen. Und ich habe hinübergesehen. Ich habe das Gelobte Land gesehen und meine Augen haben die Herrlichkeit des kommenden Herrn gesehen.“


Zweitausend Jahre zuvor - so erzählen uns die Evangelien - sind drei Männer zusammen mit Jesus auf einen Berg namens Tabor gestiegen. Sie haben die vollendete Herrlichkeit des Herrn, den Himmel gesehen. Petrus wollte diese Erfahrung nicht mehr loslassen. Er wollte „Hütten“ bauen und von nun an für immer in dieser Erfahrung bleiben. Petrus, Jakobus und Johannes durften einen Blick in die neue Welt Gottes werfen. Aber sie konnten dort noch nicht bleiben. Sie mussten zurückkehren ins Tal, in ihre Welt, in den Alltag. Noch hatten sie Aufgaben zu erfüllen. Den Blick in die Himmelsherrlichkeit aber haben sie mitgenommen. Und dieser Blick hat ihnen Kraft und Hoffnung gegeben für den weiteren Weg.


Manchmal durchbricht ein wunderschönes Erlebnis auch unseren grauen Alltag. Manchmal sehen wir die Wirklichkeit in einem neuen Licht. Auch in unserem Leben gibt es diese Tabor-Erfahrungen. Sie ragen aus dem Nebel heraus und erheben sich über den grauen Alltag, über unsere Sorgen und auch über Corona, die den Tod mit sich herum schleppt. Sie erheben sich über den Verlust von Existenzen, von Hoffnung und von Mut.

So oft spüren wir Einsamkeit und Traurigkeit. Das heutige Evangelium kann für uns ein Funke sein, der die Dunkelheit erleuchtet. Es ist wie ein Sonnenstrahl, der die Traurigkeit vertreibt. Immer wieder taucht Gott auf diese Weise auf – nah und doch fremd, präsent und doch geheimnisvoll: im Feuer des Dornbuschs und im Feuer der Begeisterung; auf dem Berg der Gottesgebote, am Tisch in Emmaus und an dem unseren.


Lassen wir uns an diesem Fastensonntag herausführen aus unserem Alltag, steigen wir auf den Berg der Verklärung, wo die Jünger den Herrn im Glanz der Herrlichkeit Gottes schauen durften.