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St. Kolumba
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Franziskaner-Minoriten & Madonna in den Trümmern

Herzlich willkommen an St. Kolumba

Spiritueller Ort mit bewegter Geschichte und architektonisches Kleinod

Die Madonna in den Trümmern ist ein Kleinod Kölner Sakralarchitektur und Ausstattungskunst.

Als erstes eigenständiges Bauwerk des Architekten Gottfried Böhm wurde sie 1949 in den Ruinen der im 2. Weltkrieg zerstörten Kirche St. Kolumba errichtet und 1957 um eine Sakramentskapelle erweitert. Ihr frei in die Trümmer hineingestelltes Oktogon bildet ein Gehäuse für die namengebende Marienfigur.

Diese Madonna hatte den Bombenhagel überstanden und erfuhr bereits unmittelbar nach Kriegende große und bis heute anhaltende Verehrung.

Heute ist Madonna in den Trümmern der mystische Kern von KOLUMBA, dem 2007 eingeweihten Kunstmuseum des Erzbistums Köln. Entworfen von Peter Zumthor, wurde es auf den Grundmauern der Kirchenruine errichtet und umfängt den Kapellenbau im Zentrum eines einzigartigen Geschichtsraums.

 

 

St. Kolumba

Werktagsgottesdienste

Mo – Fr: 10.00 Uhr

Gottesdienste am Wochenende und zu besonderen Anlässen, Konzerte und mehr

Beichtgelegenheit

Minoritenkirche
Mo – Sa: 15.00 – 16.00 Uhr

 

St. Kolumba
Mo – Fr
vormittags: 11.00 – 12.30 Uhr
nachmittags: 16.30 – 18.00 Uhr

Sa
vormittags: 09.00 – 11.30 Uhr
nachmittags: 16.30 – 18.00 Uhr

 

Stundengebet

Minoritenkirche
Mittagsgebet
Mo – Fr: 12.00 Uhr

 

St. Kolumba
Rosenkranz / Vesper
Mo – Fr: 18.00 Uhr

Eucharistische Anbetung
Do: 15.00 – 19.00 Uhr
Gebet um Priester- und Ordensberufe und für den Frieden in der Welt

Gebetskreis
Di: 19.45 Uhr

St. Kolumba

Österliche Busszeit
Kreuzweg
Freitag 18.00 Uhr

Maiandacht
Monat Mai
Freitag 18.00 Uhr

Pfarrsaal St. Kolumba

jeden 4. Mo des Monats
18.00 Uhr: Treffen der Santiago-Freunde

jeden 3. Mi des Monats
19.00 Uhr: Klostergespräch

Do: 19.15 Uhr
Frauen-Schola St. Kolumba

Do: 10.00 Uhr
Chorprobe Kantorei St. Kolumba

jeden 3. Fr des Monats
19.30 Uhr: Bibelteilen

jeden 1. Samstag des Monats
09.30 Uhr: Treffen Legion Mariens

jeden 3. Samstag des Monats
14:30 Uhr: Treffen OFS (Franziskanische Gemeinschaft)

jeden 4. Sonntag des Monats
15.00 Uhr: Treffen Jesus Youth

St. Kolumba (links) und Minoritenkirche (rechts) im Mercatorplan von 1570/71

St. Kolumba war mit bis zu 10.000 Gemeindemitgliedern und von seiner geographischen Ausdehnung die größte Pfarrgemeinde der mittelalterlichen Stadt Köln. Viele der angesehensten und wohlhabendsten Familien wohnten in der Pfarrei. Sie bestimmten nicht nur als Ratsherren und Bürgermeister das Geschick der Stadt, sondern hatten als Kirchenmeister die Aufsicht über das Pfarrvermögen, die Armenpflege, das Hospital sowie die Beginenkonvente. Darüber hinaus wählten sie spätestens seit 1250 den Pfarrer. Zum Pfarrbezirk gehörten einige bedeutende Klöster und wichtige Einrichtungen der 1388 gegründeten Universität.

Grundrisse der verschiedenen Kirchenbauten

Schriftliche Quellen zur Baugeschichte der Pfarrkirche – besonders aus ihrer Anfangszeit – sind entweder nicht mehr vorhanden oder nur wenig aussagekräftig. Erst die von Sven Seiler geleiteten Ausgrabung in den Jahren 1974-76 haben verlässliche Informationen über die Vorgängerbauten der spätgotischen Kolumbakirche zu Tage gefördert. In römischer Zeit befand sich innerhalb des durch die ehem. Bursgasse, Minoriten-, Kolumba- und Brückenstraße gebildeten Rechtecks eine Insula (Wohnblock).

Von besonderem Interesse ist ein römisches Haus mit einer wohl im 7./8. Jahrhundert angebauten Apsis. Einen Hinweis auf die Funktion des Hauses als Kirche mit benachbartem Friedhof geben sechs zerstörte fränkische Gräber und zwei durch Stangekreuze verzierte Grabsteine. Im 8. oder 9. Jahrhundert errichtete man neben dem umgebauten Haus eine einschiffige Kirche (Bau I) mit eingezogener Ostapsis. Dieser Bau war für alle folgenden Kirchen richtungsweisend und bestimmte noch die Breite des Mittelschiffs in der spätgotischen Pfarrkirche.

Eine dreischiffige Anlage (Bau II/1) mit wohl fünf Jochen ersetzte die alte Saalkirche. Die beiden Seitenschiffe endeten in rechteckig ummantelten Konchen. Die Apsis des Langhauses ragte über diese hinaus und hatte im Inneren eine Gliederung aus fünf Nischen. Vergleichbare Nischen finden sich im Westbau von St. Georg und bieten bisher den einzigen Anhaltspunkt für eine Datierung von Bau II/1 in das 11.Jahrhundert.

Man erweiterte diese Kirche durch eine Verlängerung der Seitenschiffe, die nun ebenfalls mit außen sichtbaren runden Apsiden in Höhe der Mittelschiffsapsis abschlossen (Bau II/2). Noch in der zweiten Hälfte des 11.Jahrhundert erhielt das Mittelschiff eine neue, erheblich längere Apsis. Damit hatte die querschifflose Kirche (Bau II/3) einen Staffelchor. Erst in dieser Bauphase scheint im Westen vor dem Mittelschiff eine Vorhalle errichtet worden zu sein.

Der folgende Neubau (Bau III) aus dem 12./13. Jahrhundert übernahm zwar die Breiten der Schiffe seines Vorgängers, wurde aber nach Süden um ein Seitenschiff erweitert. Die Seitenschiffe der nun vierschiffigen Anlage hatten im Inneren jeweils einen halbrunden Abschluss nach Osten. Außen trat lediglich die Apsis des Mittelschiffs aus der sonst geraden Chorwand hervor. Die Vorhalle im Westen wurde durch einen großen, ca. 25 m hohen Westturm ersetzt. Dessen westliche Wand bildete mit den westlichen Abschlüssen von zwei der drei Seitenschiffe eine gemeinsame Fassade. Das vierte südliche Seitenschiff konnte mit Rücksicht auf den ungünstigen Verlauf der Brückenstraße nicht entsprechend weit nach Westen geführt werden. Es war daher um zwei Joche kürzer und wurde nach Westen hin schmaler. Unter dem Seitenschiff befand sich ein von der Brückenstraße aus zugänglicher Knochenkeller.

St. Kolumba 1929

1456 bat die Gemeinde den Rat der Stadt um Erlaubnis, einige Gebäude zu erwerben, um die Kirche erweitern zu können. Dies ist der erste Hinweis auf den spätgotischen Neubau (Bau IV). Die Baumaßnahme wurde in zwei Etappen vorgenommen. Nach Abbruch des nördlichen Seitenschiffs errichtete man erst die nördlichen Teile der Kirche. Unter Beibehaltung wesentlicher Teile des alten romanischen Langhauses und des Westturmes wurde anschließend im Süden weitergebaut. Auf diese Weise stand während der gesamten Bauzeit ein noch recht großer Raum als Kirche zur Verfügung. Bei Abschluss der Bauarbeiten im 16. Jahrhundert war eine fünfschiffige Kirche mit hallenartigen Seitenschiffen entstanden.

Spätestens 1492, als für den Bau Kalk gestiftet wurde, sind die Arbeiten an den südlichen Seitenschiffen im Gange. Die Baumaßnahmen haben sich in diesem Bereich bis etwa 1533 hingezogen. Wie schon beim Vorgängerbau führt die Grundstücksgrenze an der Brückenstraße zu einem eigenwilligen Grundriss des südlichen Seitenschiffes. Vergleichbar mit der spätgotischen Kolumbakirche ist der 1512 begonnene Neubau von St. Peter. Mit diesen beiden Pfarrkirchen enden die großen Bauunternehmungen des Mittelalters in Köln. Zur Finanzierung des Neubaus trugen zahlreiche Stiftungen der in der Gemeinde wohnenden Familien bei. Nicht nur die Architektur, sondern auch die Ausstattung profitierte von den wohlhabenden Gemeindemitgliedern. Die erhaltenen Altarbilder und Skulpturen gehören heute zu den Beständen der unterschiedlichsten Museen.

Im Barock war die Architektur nur von geringen Eingriffen betroffen. So erhielt beispielsweise der Helm des Westturmes eine neue Gestalt. Grundlegender waren die Veränderungen an der Ausstattung. Alle Nebenaltäre wurden barockisiert und Franz van Helmont (vor 1690 – vor 1756) schuf nach einem Vorbild in Rom einen neuen Hochaltar, der 1727 geweiht wurde. 1749 legte man neue Grüfte an und erneuerte den Fußboden.

Ende des 18. Jahrhundert empfand man den Turmaufsatz des Sakramentshauses als unzeitgemäß und entfernt ihn. Hundert Jahre später dagegen schätzte man das spätgotische Kunstwerk wieder und stellte das Sakramentshaus wieder her. 1824 erhielt der Innenraum eine neue Farbfassung. Zu einer größeren Renovierung der gesamten Kirche kam es 1873.

Die spätgotische »Madonna in den Trümmern« an der Ostwand der nach ihr benannten Kapelle, Altargestaltung von Gottfried Böhm (1949), Fenster von Ludwig Gies (1954)

Im Verlaufe des Zweiten Weltkrieges erfolgte die fast vollständige Zerstörung der Kolumbakirche. Lediglich Teile der Außenwände, ein Turmstumpf und die Figur der stehenden Muttergottes am nordöstlichen Langhauspfeiler blieben erhalten. Diese »Madonna in den Trümmern« wurde bald als Zeichen der Hoffnung von zahlreichen Gläubigen verehrt.

Unmittelbar nach Ende des Krieges setzte sich der damalige Oberpfarrer Joseph Geller (1877-1958) für einen modernen Neubau ein. Er nahm zu diesem Zweck Kontakt auf mit den Architekten Rudolf Schwarz (1871-1961) und Dominikus Böhm (1880-1955). Schließlich wurde am 8. Dezember 1949 der Grundstein für eine kleine Kapelle gelegt. Die Pläne stammten von Dominikus Böhms Sohn Gottfried (geb.1920), dessen erster eigenständiger Solitärbau die Kapelle werden sollte.

Neben der spätgotischen »Madonna in den Trümmern« und einer hervorragend erhaltenen spätmittelalterlichen Pieta bilden moderne Kunstwerke, deren Beauftragung auf die zahlreichen Künstlerkontakte von Josef Geller zurückgeht, die hochrangige Ausstattung dieses Kleinods. 

 

Maonna in den Trümmern Kapelle von G. Böhm

Am 7. Dezember 1950 erfolgte die Weihe der Kapelle. 1954 konnten die von Ludwig Gies entworfenen und bei Oidtmann in Linnich gefertigten Chorfenster mit der Darstellung von Engelschören eingebaut werden (die acht kleinen Fensterchen der Ostwand entfielen). Seither verteilen sich die lichtgelben Kreise von 34 Engelsköpfen auf die durch schlanke Betonrippen gegliederten Fensterbahnen. Ihre diagonale und spiegelsymmetrische Anordnung bewirkt eine Konzentration der auf die Madonna bezogenen Räumlichkeit. Schon 1957 konnte eine Sakramentskapelle als Erweiterungsbau nach Norden eingeweiht werden. Zu ihrer Ausstattung entwarf Gottfried Böhm einen Altar und vier raumhohe Kerzenbäume aus weiß-grau geädertem Marmor. Auf ihm kam ein von Elisabeth Treskow (1898-1992) ausgeführter Tabernakel zur Aufstellung, dessen vergoldetes Gehäuse mit Edel- Halbedelsteinen reich besetzt ist. Die Ostwand der Sakramentskapelle gestaltete der Gies-Schüler Rudolf Peer (geb. 1932) mit einem Kreuzweg, den er in die Basalt-Wand einmeißelte. In den folgenden Jahren fertigte Gottfried Böhm eine Reihe von Plänen zum Wiederaufbau der Kolumbakirche, wobei er die Kapelle und die noch vorhandenen Ruinen in den Neubau miteinbezog. Dieses Projekt kam nicht über die zeichnerische Planungsphase hinaus.

 

Überreste der zerstörten Kirche St. Kolumba und ihre Integration in den Museumsneubau

1973 legte Gottfried Böhm Entwürfe für ein »Kolumba-Institut« vor. Das Institut sollte als Tagungs- und Begegnungsstätte des Erzbistums Köln dienen. Die in der gleichen Zeit gemachten umfangreichen und bedeutsamen Funde der Ausgrabung, die erhalten und möglichst in einem Neubau zugänglich gemacht werden sollten, erschwerten jedoch eine sinnvolle Nutzung des Geländes.

Die seelsorgerische Betreuung der Kolumba-Kapelle obliegt bis heute den Franziskaner-Minoriten, deren Kloster 1956 in unmittelbarer Nachbarschaft in der Kolumbastraße errichtet worden war. Sie wurden vor Beginn des Neubauprojektes und dem damit verbundenen Abriß des Klostergebäudes in einen Neubau an der Tunisstraße umgesiedelt.

Die Kapelle selbst und ihre künstlerische Ausstattung wurden in den Jahren 2003 und 2004 umfangreich saniert. Sie ist neben ihrer liturgischen Nutzung als Kirche der kleinen Kolumba-Gemeinde einer der am stärksten frequentierten Orte der privaten Andacht in Köln, weshalb ihre eigenständige – vom Museum völlig unabhängige – Nutzung eine der Vorgaben des Projektes war.

  • Christoph Bellot, St. Kolumba, in: Colonia Romanica X 1995, S. 241-254.

 

  • Klaus Gereon Beuckers, Köln: Die Kirchen in gotischer Zeit (Stadtspuren 24), Köln 1998, S.250-254.

 

  • Eduard Hegel, St. Kolumba in Köln. Eine mittelalterliche Großstadtpfarrei in ihrem Werden und Vergehen (Studien zur Kölner Kirchengeschichte 30), Siegburg 1996.

 

  • Eduard Hegel, Die Geschichte der Pfarrei St. Kolumba in Köln, in: Kolumba. Ein Architekturwettbewerb in Köln 1997, Köln 1997, S. 31-46; Hugo Rathgens, St. Columba, in: Wilhelm Ewald und Hugo Rathgens (Bearb.), Die Kunstdenkmäler der Stadt Köln, Bd. 1, IV. Abteilung. Die kirchlichen Denkmäler der Stadt Köln, Düsseldorf 1916, S. 194-230.

 

  • Sven Seiler, die Ausgrabungen in der Kirche St. Kolumba in Köln, in: Zeitschrift für Archäologie des Mittelalters 5, 1977, S. 97-119.

 

  • Sven Seiler, Die Kirche St. Kolumba und ihre romanischen Vorgängerbauten, in: Colonia Romanica IV 1989, S. 146-157.

 

  • Sven Seiler, Ausgrabungen in der Ruine der Kirche St. Kolumba, in: Kolumba. Ein Architekturwettbewerb in Köln 1997, Köln 1997, S. 63-71.

 

  • Katharina Ley, Der Neubau von Sankt Kolumba in Köln durch Gottfried Böhm, Magisterarbeit (Typoskript), Köln 1987.

 

  • Stefan Kraus, Madonna in den Trümmern – Das Kolumbagelände nach 1945, in: Kolumba. Ein Architekturwettbewerb in Köln 1997, Köln 1997, S. 51-62.

 

  • Stefan Kraus/ Anna Pawlik/ Martin Struck, Kolumba-Kapelle (= Kolumba, Bd.59), Köln 2020.

KOLUMBA ist das Kunstmuseum des Erzbistums Köln, das 1853 als Diözesanmuseum Köln gegründet wurde. Zweitausend Jahre abendländischer Kultur sind in einem Haus zu erleben: In der Kunst mit Werken der Spätantike bis zur Gegenwart. In der Architektur im Zusammenwirken der Kriegsruine der spätgotischen Kirche St. Kolumba, der Kapelle "Madonna in den Trümmern" (1950), der einzigartigen archäologischen Ausgrabung (1973-1976) und dem Neubau nach dem Entwurf des Schweizers Peter Zumthor.

KOLUMBA wird kuratiert von Stefan Kraus, Ulrike Surmann, Marc Steinmann und Barbara von Flüe.
 

St. Kolumba - Madonna in den Trümmern

Kolumbastraße 4
50667 Köln

Öffnungszeit: 
täglich 09.00 bis 19.00 Uhr

Konvent der Franziskaner-Minoriten

Tunisstraße 4
50667 Köln

KOLUMBA Kunstmuseum des Erzbistums Köln

Kolumbastraße 4
50667 Köln

Geöffnet täglich außer dienstags von 12 bis 17 Uhr
Eintritt € 8,- (reduziert € 5,- )

Minoritenkirche St. Mariä Empfängnis

Kolpingplatz 1
50667 Köln

Franziskaner-Minoriten

Höchster glorreicher Gott jpg

Höchster glorreicher Gott, erleuchte die Finsternis meines Herzens …

So betet Franz von Assisi in der Stunde der Bekehrung, in der Stunde der Wende in seinem Leben. Obwohl der viele Fragen hat und auch den Zweifel kennt, setzt er alles auf eine Karte, auf die Karte der Sehnsucht. 

Es ist ihm klar geworden: Irgendwann im Leben muss sich wohl ein jeder Mensch entscheiden, auf welcher Straße er gehen will und welchen Weg er wählen will. 

Schnell, oft vorschnell formulieren wir ein Wort, ein Ziel, und nehmen es dann ganz schnell wieder zurück. Lang und mühsam ist der Weg, bis man zutiefst überzeugt ist, wohin die Reise geht. 

Es fällt auf: Höchster Gott kann er sagen. Er kann dieses Wort sagen, umfangen von Dunkelheit. Zu groß ist die Anziehungskraft des Lichtes. Es lockt. Es zieht in den Bann. Es lässt nicht mehr los. Es dringt ein in jede Dunkelheit. Es zerschneidet das Dunkel und reißt es auf. Eine feine Lichtspur gibt die Richtung an. 

Höchster Gott! Wenn ich dieses Wort nachspreche mit dem Herzen, dann versammle ich das ganz Leben zu einem Akt der Übergabe. Ich sage: Du, Gott, bist es. Zu dir gibt es keine Alternative mehr. Dich erkenne ich als maßgebend an. Um dich kreist meine Entschiedenheit 

Höchster Gott! Höchster glorreicher Gott! Wer dieses Wort nachspricht, ist auf dem besten Weg eine wunderbare Botschaft zu speichern, geschenkt aus Gottes Art. 

Glorreich heißt ja nicht, dass dein Gott herrlich ist, glanzvoll und prächtig. Nein! Mit seinem Ewigkeitsgewicht, mit seinem Ewigkeitslicht will er zu dir hin. Er ist fast zudringlich. Er ist aufdringlich. Er ist eindringlich. Überaus machtvoll bedrängt er dich ganz vorsichtig. Er will dich in seinen Dienst nehmen zu Gunsten für Mensch und Welt. 

Höchster, glorreicher Gott! Er ist es, um den sich alles dreht. Er ist der Herr, der das Sagen hat. Er ist es, der mich bestimmen kann und bestimmen darf. Er tritt auf als Lückenbüßer. Er kommt als Notlösung in mein Leben. 

Aus dem tiefsten Dunkel kann der Mensch immer noch die Frage nach Gott stellen. Sein Licht findet jede und jeden.

Seit 1958 betreuen die Franziskaner-Minoriten die Pfarrei St. Kolumba. Eine Niederlassung der Minderbrüder (Minoriten) gab es in Köln schon Anfang des 13. Jahrhunderts. Am 30. November 1221 machten sich die Brüder des hl. Franziskus von Würzburg aus auf den Weg an den Rhein. Hier wirkte unter anderem der 1991 selig gesprochene Johannes Duns Scotus, der in der benachbarten Minoritenkirche begraben liegt.

Heute besteht der Konvent aus den nachstehenden Brüdern:

Br. Josef Bodensteiner, Guardian

Br. Liviu Romila, Vikar

Br. Viktor Jachec

Br. Gabriel Weiler

Br. Wilhelm Weber

Br. Frank Hebestreit

Unser Leben nach der Regel

Regel unseres seraphischen Vaters des Heiligen Franziskus (Auszug) 

  1. Kapitel: Im Namen des Herrn!
    Es beginnt die Lebensweise der Minderen Brüder
    Regel und Leben der Minderen Brüder ist dieses, nämlich unseres Herrn Jesu Christi heiliges Evangelium zu beobachten durch ein Leben in Gehorsam, ohne Eigentum und in Keuschheit. Bruder Franziskus verspricht Gehorsam und Ehrerbietung dem Herrn Papst Honorius und seinen rechtmäßigen Nachfolgeren sowie der Römischen Kurie. Und die Brüder sollen verpflichtet sien, dem Bruder Franziskus und dessen Nachfolgern zu gehorchen.
  2. Kapitel: Von denen, die dieses Leben annehmen wollen und wie sie aufgenommen werden sollen
  3. Kapitel: vom Göttlichen Offizium und vom Fasten, und wie die Brüder durch die Welt ziehen sollen
  4. Kapitel: Dass die Brüder kein Geld annehmen sollen
  5. Kapitel: Von der Art zu arbeiten
  6. Kapitel: Dass die Brüder nichts als ihr Eigentum erwerben dürfen, sowie vom Bitten um Almosen, und von den kranken Brüdern
  7. Kapitel: Von der Buße, die sündigen Brüdern auferlegt werden soll
  8. Kapitel: Von der Wahl des Generalministers dieser Bruderschaft und vom Pfingstkapitel
  9. Kapitel: Von den Predigern
  10. Kapitel: Von der Ermahnung und Zurechtweisung der Brüder
  11. Kapitel: Dass die Brüder die Klöster der Nonnen nicht betreten sollen
  12. Kapitel: Von denen, die unter die Sarazenen und andere Ungläubige gehen wollen 

Hier endet Regel und Leben der Minderen Brüder.

Kdl01m

Unser Leben nach der Profess

Gepriesen sei der dreifaltige Gott, 

der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Auf Gottes Eingebung hin will ich dem Evangelium
und den Fußspuren unsres Herrn Jesus Christus
aufmerksam und mit großer Bereitschaft folgen.

Darum gelobe ich, Br. N. N.
in der ganzen Kraft meines Glaubens
vor euch, meinen Brüdern,
und in deinen Händen, Br. Provinzialminister N. N.,
Gott, unseren heiligen und allmächtigen Vater,
für die ganze Zeit meines Lebens
in Gehorsam, ohne Eigentum und in Keuschheit zu leben.

Zugleich verspreche ich,
das Leben und die Regel der Minderen Brüder,
wie sie von Papst Honorius bestätigt wurde
gemäß den Konstitutionen der Franziskaner-Konventualen treu zu befolgen.

Aus ganzem Herzen vertraue ich mich dieser Bruderschaft an,
damit ich, geführt vom Heiligen Geist,
nach dem Beispiel der ohne Erbsünde empfangenen Gottesmutter Maria,
auf die Fürsprache unseres Vaters Franziskus und aller Heiligen
und mit eurer brüderlichen Hilfe
zur Vollkommenheit der Liebe gelange
im Dienst vor Gott, in der Kirche und an den Menschen.

Heiliger Franziskus

1182 (1181) Geburt des hl. Franz in Assisi
1202-1203 Gefangenschaft in Perugia
1205 Kriegszug nach Apulien, vorzeitige Rückkehr von Spoleto nach Assisi
um 1206 Berufungsereignis vom dem Kreuz von San Damiano
1206 (1207?) Enteignung vor dem Bischof von Assisi
1207-1208 Wiederherstellung der drei Kapellen S. Damiano, S. Pietro und s. Maria degli Angeli
1209 Hören des Evangeliums von der Aussendung der Apostel in Portiunkula; Anschluss der ersten Gefährten
1210 (1209) Mündliche Bestätigung der Ur-Regel in Rom
1223 Bestätigung der endgültigen Regel
1223 Krippenfeier in Grecci
1224 Stigmatisation
3.10.1226 Tod des hl. Franz von Assisi
1228 Heiligsprechung

Franz von Assisi - Der „Poverello“ und die Brüder von der Buße

Nein, ein einfacher Zeitgenosse war er wohl nicht, der junge Mann aus Assisi, der im Winter 1181/1182 in der wohlhabenden Bürgerfamilie Bernardone geboren wird. Seine Mutter Pica gibt ihm den Namen Giovanni, während sein Vater Pietro, von Beruf Tuchhändler, geschäftlich in Frankreich unterwegs ist. Von Pietro schließlich erhält der Sohn Johannes den Spitznamen „das kleine Französlein“, Francesco also.

 

Vom Playboy zum Ritter

f-9

In seiner Jugend ist Franziskus ein richtiger Lebemann: auf der Piazza von Assisi singt er französische Lieder, er trifft sich gerne mit seinen Freunden, gibt viel Geld aus, trägt übertrieben teure Kleidung und schmeißt die Runden. Er steht gerne im Mittelpunkt des Geschehens und liebt es, beachtet und geschätzt zu sein. Obwohl sein Vater alles dafür tut, dass Franziskus eine gute Bildung erhält, um später sein Tuchgeschäft übernehmen zu können, träumt Franz jedoch von einer anderen Karriere. Er will Ritter werden wie viele junge Männer des aufstrebenden Bürgertums. Diese soziale Schicht ist etwas Neues: man gehört weder zum Adel noch zum einfachen Volk, sondern gewinnt durch Handel und Geldwirtschaft zunehmend Macht und Einfluss. Ritter zu sein und seine neu gewonnene Stellung zu behaupten, bedeutet Ehre, nach der Franziskus so sehr strebt. Mit 20 Jahren zieht er 1202 hoch zu Pferd in den Bürgerkrieg zwischen den Städten Assisi und Perugia, wobei Assisi in der Schlacht von Colestrada unterliegt und Franziskus in Gefangenschaft gerät.

Der einstige sorgenfreie Spaßvogel ist nach seiner über einjährigen Inhaftierung erschüttert und von einer Krankheit heimgesucht. Niederlagen waren ihm bisher unbekannt. Dennoch will er seinen Rittertraum nicht begraben und 1205 nach Apulien reisen, wo der Lehnsmann des Papstes, Walter III. von Brienne, in einem Kriegszug gegen die Staufer die Herrschaft des Papstes zurückerobern will.

 

Die Stimme dreht ihn um

Doch bis nach Apulien kommt Franziskus noch nicht einmal, denn eines Nachts hat er einen Traum, von dem später sein Biograph Thomas von Celano (1190-1260) in seiner zweiten Lebensbeschreibung berichtet: Zunächst sieht Franziskus einen herrlichen Palast mit einer gefüllten Waffenkammer und verschiedenen Rüstungen. Eine Stimme verspricht ihm, nach dem Apulien-Kriegszug all das zu erhalten, woraufhin sich Franziskus in Anbetracht des großen Ruhmes schnell locken lässt. Dann aber hört er erneut jemanden im Traum sagen: „‚Wer kann Dir Besseres geben: der Herr oder der Knecht?’ Franziskus antwortete: ‚Der Herr’, worauf jener erwiderte: ‚Warum suchst Du dann den Knecht statt den Herrn?’ Darauf Franziskus: ‚Was willst du, Herr, das ich tun soll?’ ‚Kehre zurück in das Land deiner Geburt’, sprach der Herr zu ihm, ‚denn ich will deine Vision in geistlicher Weise erfüllen.’“ (2 Cel 6)

 

Franziskus wechselt die Seiten. Von jetzt ab zählt der Vater im Himmel.

Er erkennt, dass Gott zu ihm gesprochen hat, reist umgehend zurück nach Assisi und ändert von nun an sein Leben radikal. Nur Gott wird es sein, der ihm den wahren Reichtum verschafft, den er immer gesucht hat. Als einmal in der Kirche von San Damiano Jesus von der dortigen Kreuzesikone herab zu ihm spricht „Franziskus, geh hin und stell mein Haus wieder her, das, wie du siehst, ganz verfallen ist!“ (2 Cel 10), baut er zunächst drei Kirchen wieder auf. Die dafür benötigten Steine erbettelt er. Er zieht sich zunehmend mehr in die Einsamkeit zurück, verachtet den Reichtum, der bisher sein Leben bestimmt hat, und verschenkt Almosen an Bettler und Aussätzige, woraufhin er mit seinem Vater Pietro in Konflikt gerät. In einer dramatischen Aktion wird er sich später auf dem Domplatz ganz ausziehen und seinem Vater all seine Kleider und das Geld zurückgeben. Bischof Guido wird ihn mit seinem Mantel bedecken und sein Beschützer und Gönner werden.

 

„Ja, das ist’s!“

Er beginnt ein Leben mit der „Braut und Herrin Armut“, pflegt die Aussätzigen am Straßenrand und lässt Gott in seinem Leben das Sagen haben. „Il Pazzo“, rufen die Menschen ihm zu. „Der Verrückte!“ Ja, er ist es tatsächlich geworden: ver-rückt. In seinem Testament erinnert er sich an seinen Lebenswandel: „So hat der Herr mir, dem Bruder Franziskus, gegeben, das Leben der Buße zu beginnen: denn als ich noch in Sünden war, kam es mir sehr bitter vor, Aussätzige zu sehen. Und der Herr selbst hat mich unter sie geführt, und ich habe ihnen Barmherzigkeit erwiesen. Und da ich fortging von ihnen, wurde mir das, was mir bitter vorkam, in Süßigkeit der Seele und des Leibes verwandelt. Und danach hielt ich eine Weile inne und verließ die Welt.“ (Test 1-3)

Als er in der Messe am Fest des Hl. Matthias 1209 (24. Februar) in der Portiunkulakapelle am Fuße des Monte Subasio aus dem Matthäusevangelium von Jesu Aussendung der Jünger hört, die ohne Stab, ohne Schuhe, ohne zweiten Rock und ohne Geld das Reich Gottes predigen sollten, triumphiert Franziskus und ruft: „Das ist’s, was ich will, das ist’s, was ich suche, das verlange ich aus innerstem Herzen zu tun.“ (1 Cel 22) Und sogleich legt er sein Gewand ab, zieht sich einen einfachen Rock an, tauscht den Ledergürtel gegen einen einfachen Strick und predigt Buße und Umkehr. Er wird zum „Poverello“, zum „kleinen Armen“. Denn Gott ist nun sein Gewinn.

 

Das Franziskus-Leben steckt an

Von seinem Lebenswandel begeistert und von seinen Predigten fasziniert, schließen sich Franziskus immer mehr junge Männer an, die mit ihm arm und wie Pilger und Fremdlinge durch die Welt ziehen, so dass eine ursprünglich von ihm nicht beabsichtigte Gemeinschaft entsteht. Franziskus selbst schreibt dazu: „Und nachdem mir der Herr Brüder gegeben hatte, zeigte mir niemand, was ich tun sollte, sondern der Höchste selbst hat mir offenbart, dass ich nach der Form des heiligen Evangeliums leben sollte. Und ich habe es mit wenigen Worten und schlicht aufschreiben lassen, und der Herr Papst hat es mir bestätigt.“ (Test 14-15) Diese hier genannte erste Regel von 1209, die wohl nur aus einigen Zitaten aus den Evangelien bestand, lässt sich Franziskus 1210 von Innozenz III. in Rom mündlich bestätigen, so dass er sich der kirchlichen Anerkennung seiner jungen Gemeinschaft für ein Leben in Armut und mit dem Auftrag der Bußpredigt sicher sein kann.

Die Gemeinschaft der „Brüder von der Buße“ wächst beständig weiter. Zwei weitere Regeln entstehen im Laufe der Jahre, so dass die endgültige Regel von Papst Honorius III. mit einer Bulle vom 29. November 1223 schriftlich bestätigt wird.

Noch heute legen die Franziskanerbrüder ihre Ordensgelübde auf diese Regel ab, die so beginnt: „Regel und Leben der Minderen Brüder ist dieses, nämlich unseres Herrn Jesus Christus heiliges Evangelium zu beobachten durch ein Leben in Gehorsam, ohne Eigentum und in Keuschheit.“ (BR 1,1)

Ein Zeichen von oben

1224, als Franz sich in einer Einsiedelei am Berg La Verna aufhält, sieht er in einer Vision einen Mann, ähnlich eines Seraphs, der sechs Flügel hat und mit seinen Armen an ein Kreuz geheftet ist. Über diese Vision ganz erstaunt, erhält Franziskus die Wundmale Christi als ein besonderes Zeichen der Verbundenheit mit dem gekreuzigten und auferstandenen Christus. Thomas von Celano erwähnt in seiner Lebensbeschreibung: Franziskus „bemühte sich, diese Auszeichnung auf jede mögliche Weise zu verbergen, damit nicht menschliche Gunst die ihm verliehene Gnade entziehe“. (1 Cel 95)

 

Über die Schöpfung ein Loblied auf den Schöpfer

f-3

Zwei Jahre später ist Franziskus sterbenskrank. Er ist fast gänzlich erblindet, Magen und Leber sind in ihren Funktionen stark beeinträchtigt, sein gesamter Zustand ist sehr kritisch. In diese Leidenszeit 1224/1225 fällt die Dichtung seines berühmten Sonnengesangs, seiner jubelnden Antwort auf die Erfahrung, dass selbst in dunkler Nacht Gott gut für ihn sorgt. Dieses Gedicht ist ein Loblied auf Gott und ein Hymnus auf seine Schöpfung. Auf dem Weg zu seinem Sterbeort, Portiunkula, segnet Franziskus die Stadt Assisi.

Als sich Franziskus schon nicht mehr bewegen kann, lässt er seine engsten Brüder rufen und gibt ihnen einzeln den Segen. Er bittet darum, von Assisi in die drei Kilometer entfernte Portiunkulakapelle gebracht zu werden, von wo aus seine Bewegung und die Gemeinschaft der Minderbrüder ihren Anfang nahmen. Aus Liebe zu seiner „Herrin Armut“ stirbt er, nackt auf die Erde gelegt, am Abend des 3. Oktober 1226.

Bestattet wird er zunächst in der Kapelle San Giorgio in Assisi, an deren Stelle heute die Kirche Santa Chiara steht, bevor seine Gebeine 1230 in der Basilika San Francesco ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Franziskus wird bereits 1228 durch Papst Gregor IX. heiliggesprochen.

 

Quellennachweise

Text: Br. Konrad Schlattmann OFM Conv.


Die Zitate der Quellenschriften sind entnommen aus:
Berg, Dieter und Lehmann, Leonhard (Hrsg.), Franziskus-Quellen. Die Schriften des heiligen Franziskus, Lebensbeschreibungen, Chroniken und Zeugnisse über ihn und seinen Orden, Kevelaer 2009.

G1

Höchster, glorreicher Gott,
erleuchte die Finsternis meines Herzens,
und schenke mir rechten Glauben,
feste Hoffnung und vollkommene Liebe.
Gib mir, Herr,
Gespür und Erkennen,
dass ich erfüllen möge
deinen heiligen und wahrhaften Auftrag.

 

G2

Gegrüßt seist du, heilige Herrin, 
hochheilige Königin, Gottesgebärerin Maria.
Du bist immerwährende Jungfrau,
erwählt vom heiligsten Vater im Himmel.
Dich hat er geweiht mit seinem heiligsten
geliebten Sohn und dem Geist, dem Tröster.
In dir war und ist
jegliche Fülle der Gnade und alles Gut:
Sei gegrüßt, du sein Palast.
Sei gegrüßt, du sein Gezelt.
Sei gegrüßt, du seine Wohnstatt.
Sei gegrüßt, du sein Gewand.
Sei gegrüßt, du seine Magd.
Sei gegrüßt, du seine Mutter.
Und seid gegrüßt,
ihr heiligen Tugenden alle,
dir ihr durch Gnade
und Erleuchtung des Heiligen Geistes
in die Herzen der Menschen ausgegossen werdet,
um für Gott aus Ungläubigen Gläubige zu machen.

Heilige Jungfrau Maria, unter den Frauen der Welt ist keine dir ähnlich geboren, du Tochter und Magd des höchsten Königs, des Vaters im Himmel: du Mutter unseres heiligsten Herrn Jesus Christus, du Braut des Heiligen Geistes. Bitte für uns mit dem heiligen Erzengel Michael und allen himmlischen Mächten und mit allen Heiligen bei deinem heiligsten geliebten Sohn, unseren Herrn und Meister.

Allmächtiger, allheiliger, höchster und erhabenster Gott. Du alles Gut, du höchstes Gut, du Fülle des Guten. Der du allein gut bist, dir spenden wir alles Lob, allen Ruhm, allen Dank, alle Ehre, allen Preis und alle Güter. Es geschehe, es geschehe! Amen.

 

G3

Heiligster Vater unser - 
unser Schöpfer, Erlöser, Tröster und Heiland.

Der du bist im Himmel -
in den Engeln und in den Heiligen. Du erleuchtest sie zum Erkennen, weil du, Herr, das Licht bist.
Du entflammst sie zum Lieben, weil du, Herr, die Liebe bist. Du wohnst in ihnen und erfüllst sie zur Seligkeit, weil du, Herr, das höchste Gut bist, das ewige, von dem jedwedes Gut kommt, ohne den nichts gut ist.

 

Geheiligt werde dein Name -
Aufleuchten soll in uns die Kenntnis von dir, damit wir innewerden der Breite deiner Wohltaten, der Länge deiner Verheißungen, der Höhe deiner Erhabenheit, der Tiefe deiner Gerichte (Eph 3,18)

Dein Reich komme -
damit du herrschest in uns durch die Gnade und uns lässt in dein Reich kommen, dort, wo sich findet die offenbare Anschauung von dir, die selige Gemeinschaft mit dir, das ewige Verkosten in dir.

Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden -
damit wir dich lieben aus ganzem Herzen – und stets an dich denken: aus ganzer Seele – und stets dich ersehnen: aus ganzem Gemüte – und nur dich meinen und deine Ehre in allem suchen;
aus all unseren Kräften – und alle Kraft und alles Gespür von Seele und Leib auf deine Liebe verwenden und auf nichts anderes; unseren Nächsten lieben wie uns selbst und alle nach Kräften zu deiner Liebe hinziehen, uns freuen am Gute der anderen gleich wie am eigenen, mitleiden am Elend und je niemand verletzen.

Unser tägliches Brot-
deinen geliebten Sohn, unseren Herrn Jesus Christus.

Gib uns heute -
zum Gedächtnis, zum Verstehen und zur Verehrung der Liebe, die er zu uns hegte, und all dessen, was er für uns gesprochen, getan und erduldet.

Und vergib uns unsere Schuld -
durch dein unaussprechliches Erbarmen und kraft der Leiden deines geliebten Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus, und auf die Verdienste und Fürbitte der seligsten Jungfrau Maria und all deiner Auserwählten.

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern -
und was wir nicht vollkommen vergeben, mach du, o Herr, dass wir es gänzlich vergeben, damit wir um deinetwillen die Feinde wahrhaftig lieben und dich für sie aufrichtig bitten, niemandem Böses mit Böses vergelten und für alle in dir dazusein uns bemühen.

Und führe uns nicht in Versuchung -
sei sie geheim oder offenkundig, unvermutet oder ungestüm.

Sondern erlöse uns von dem Bösen -
dem vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen.
Amen.

 

Gebet und Danksagung aus der ersten Regel

G4

Allmächtiger und allheiliger, höchster und erhabenster Gott, Vater, heilig und gerecht, Herr, König des Himmels und der Erde, um deiner selbst willen sagen wir dir Dank, dass du  durch deinen heiligen Willen und durch deinen eingeborenen Sohn die unsichtbare und sichtbare Welt erschaffen und uns, geformt nach deinem Bild und Gleichnis, ins Paradies versetzt hast. Durch unsere Schuld sind wir gefallen.
Wir sagen dir Dank, dass du uns durch deinen Sohn erschaffen und auch gleicherweise durch die heilige Liebe, mit der du uns geliebt, ihn selbst als wahren Gott und wahren Menschen aus der glorreichen, seligsten immerwährenden Jungfrau, der heiligen Maria hast geboren werden lassen und uns Gefangene durch sein Kreuz, Blut und seinen Tod hast erlösen wollen.

Wir sagen dir Dank, dass dieser dein Sohn einst kommen wird in der Herrlichkeit seiner Majestät, um die Verdammten, die nicht Buße getan und die dich nicht erkannt haben, dem ewigen Feuer anheimzugeben und allen zu sagen, die dich erkannt angebetet und dir in Buße gedient haben: „Kommet, ihr Gesegneten meines Vater, und empfanget das Reich, das euch bereitet ist vom Anbeginn der Welt.“

Und weil wir Elenden und Sünder allesamt nicht würdig sind, deinen Namen im Munde zu führen, so bitten wir demütig: unser Herr Jesus Christus, dein geliebter Sohn, an dem du dein Wohlgefallen hast, wolle zusammen mit dem Heiligen Geist, dem Tröster, dir Dank sagen für alles, so wie es dir und ihm gefällt. Er, der dir in allem immer Genüge ist, durch den du uns so viel erwiesen. Alleluja.

Und die glorreiche, seligste allzeit jungfräuliche Mutter Maria, die seligen Michael, Gabriel, Raphael und alle Chöre der seligen Geister: die Seraphim, die Cherubim und die Throne, die Herrschaften, die Fürstentümer und die Mächte, die Kräfte, die Engel, die Erzengel: den seligen Johannes den Täufer. Johannes den Evangelisten, Petrus, Paulus und die seligen Patriarchen, die Propheten, die Unschuldigen Kinder, die Apostel, Evangelisten, Jünger, Märtyrer, Bekenner, Jungfrauen, die seligen Elias und Henoch und alle Heiligen, die da waren, sein werden und jetzt sind, sie alle bitten wir in Demut um deiner Liebe willen, dass sie so, wie es dir gefällt, für all das Dank sagen: dir, dem höchsten und wahren Gott, dem Ewigen und Lebendigen, mit deinem vielgeliebten Sohn, unserem Herrn Jesus Christus, und dem Heiligen Geiste, dem Tröster, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Alleluja.

 

Der Lobpreis der Tugenden

G5

Sei gegrüßt Königin Weisheit, der Herr bewahre dich durch deine Schwester, die heilige, reine Einfalt. 
O Herrin, heilige Armut, der Herr bewahre dich durch deine Schwester, die heilige Demut.
Herrin, heilige Liebe, der Herr bewahre dich durch deine Schwester, den heiligen Gehorsam.
Ihr hochheiligen Tugenden alle, euch bewahre der Herr, von dem ihr ausgeht und herkommt.
Kein einziger Mensch ist auf der ganzen Welt, der nur eine von euch besitzen könnte, ohne vorher sich selbst zu sterben. Wer eine besitzt und die anderen nicht verletzt, der besitzt alle, und wer eine verletzt, der besitzt keine und verletzt alle; und jede für sich macht Laster und Sünde zuschanden.

Die heilige Weisheit macht Satan mit all seiner Bosheit zuschanden.

Die reine, heilige Einfalt macht alle Weisheit dieser Welt zuschanden mitsamt der Weisheit des Fleisches.

Die heilige Armut macht alle Habsucht und Geiz und weltliches Sorgen zuschanden.

Die heilige Demut macht den Stolz und alle Weltmenschen und alles nur Weltliche zuschanden.

Die heilige Liebe macht alle teuflischen und fleischlichen Versuchungen und alle fleischlichen Ängste zuschanden.

Der heilige Gehorsam macht alles leibliche und fleischliches Wollen zuschanden und hält seinen Leib abgetötet, damit er dem Geist gehorche und seinem Bruder gehorche, und macht den Menschen allen Menschen dieser Welt untertan, und zwar nicht nur den Menschen, sondern selbst allen unvernünftigen und wilden Tieren, damit sie mit ihm nach ihrem Belieben tun können, sofern es ihnen von oben, vom Herrn, gegeben ist.

 

Die Ermahnung zum Lobe Gottes

G6

Fürchtet den Herrn 
und gebt ihm die Ehre (Off. 14,7).
Würdig ist der Herr,
zu empfangen Lob und Ehre (Off. 4,11).
Alle, die ihr den Herrn fürchtet,
lobet ihn (Ps 21,24).

Gegrüßt seist du, Maria, voll der Gnade,
der Herr ist mit dir (Lk 1,28).
Lobe ihn, Himmel und Erde (Ps 68,35).
Ihr Ströme alle, lobet den Herrn (Dan. 3,78).
Ihr Söhne Gottes, preiset den Herrn (Dan.3,12).
Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat,
lasst uns frohlocken und seiner uns freuen (Ps 117,24).
Alleluja, Alleluja, Alleluja

König von Israel (Joh. 12,13)
Alles, was Odem hat lobe den Herrn (Ps 150,6).
Lobet den Herrn, denn er ist gut;
alle, die ihr dies lest, preiset den Herrn (Ps 146,1)
Ihr Kreaturen alle, preiset den Herrn (Ps 102,22).
Ihr Vögel des Himmels, preiset den Herrn (Dan. 3,86).
Ihr Kinder, alle lobet den Herrn (Ps 112,1).
Ihr Jünglinge und Jungfrauen, lobet den Herrn (Ps 148,12).
Würdig ist das Lamm, das geschlachtet ist,
zu empfangen Lob, Ruhm und Ehre (Offb. 5,12).
Gepriesen sei die heilige Dreifaltigkeit und ungeteilte Einheit.
Heiliger Erzengel Michael, verteidige uns im Kampfe.

 

Der Lobpreis Gottes von La Verna

G7

Du bist der Heilige, Herr, der alleinige Gott; 
Wunderwerke vollbringst du.
Du bist der Starke.
Du bist der Große.
Du bist der Höchste.
Du bist der allmächtige König.
Du heiliger Vater, König des Himmels und der Erde.
Du bist der Dreifaltige und der Eine.
Herr und Gott über allen Göttern.
Du bist das Gute, jegliches Gut, das höchste Gut,
Herr und Gott, lebendig und wahr.
Du bist die Liebe und die Güte.
Du bist die Weisheit.
Du bist die Demut.
Du bist die Geduld.
Du bist die Schönheit.
Du bist die Sicherheit.
Du bist die Ruhe.
Du bist die Freude und das Frohlocken.
Du bist unsere Hoffnung.
Du bist die Gerechtigkeit.
Du bist das Maß.
Du bist all unser Reichtum zur Genüge.
Du bist die Schönheit.
Du bist die Milde.
Du bist der Beschützer.
Du bist der Hüter und unser Beschirmer.
Du bist die Stärke.
Du bist die Erquickung.
Du bist unsere Hoffnung.
Du bist unser Glaube.
Du bist unsere Liebe.
Du bist unsere ganze Glückseligkeit.
Du bist unser ewiges Leben.
Großer und wunderbarer Herr,
allmächtiger Gott, barmherziger Heiland.

 

Der Sonnengesang

f-3

Höchster, allmächtiger, guter Herr, 
dein sind der Lobpreis, die Herrlichkeit und Ehre
und jeglicher Segen.
Dir allein, Höchster, gebühren sie,
und kein Mensch ist würdig, dich zu nennen.

Gelobt seist du, mein Herr,
mit allen deinen Geschöpfen,
zumal dem Herrn Bruder Sonne;
er ist der Tag, und du spendest uns das Licht durch ihn.
Und schön ist er und strahlend in großem Glanz,
dein Sinnbild, o Höchster.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Schwester Mond und die Sterne;
am Himmel hast du sie gebildet,
hell leuchtend und kostbar und schön.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Bruder Wind und durch Luft und Wolken
und heiteren Himmel und jegliches Wetter,
durch das du deinen Geschöpfen den Unterhalt gibst.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Schwester Wasser,
gar nützlich ist es und demütig und kostbar und keusch.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Bruder Feuer,
durch das du die Nacht erleuchtest;
und schön ist es und liebenswürdig und kraftvoll und stark.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch unsere Schwester, Mutter Erde,
die uns ernährt und lenkt
und vielfältige Früchte hervorbringt
und bunte Blumen und Kräuter.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch jene, die verzeihen um deiner Liebe willen
und Krankheit ertragen und Drangsal.
Selig jene, die solches ertragen in Frieden,
denn von dir, Höchster, werden sie gekrönt werden.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch unsere Schwester, den leiblichen Tod;
ihm kann kein Mensch lebend entrinnen.
Wehe jenen, die in schwerer Sünde sterben.
Selig jene, die sich in deinem heiligsten Willen finden,
denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun

Lobt und preist meinen Herrn
und sagt ihm Dank und dient ihm mit großer Demut.

 

Wo Liebe ist und Weisheit, da ist nicht Furcht noch Unwissenheit.

Liebe ist Bergung in Grund und Boden. 
Weisheit ist gelebte - und so verkostete - Einsicht.
Jeder Mensch stammt aus Gottes JA.
Jeder Mensch aus Gottes JA ist gottwertig.
Jeder Mensch bringt eine ihm eingestiftete Botschaft mit.
Jedes Menschen Leben ist immer und immer wieder heilbar.
Jedes Menschen Leben ist bestimmt für ewige Gemeinschaft mit Gott.

 

Wo Geduld ist und Demut, da ist nicht Zorn noch Verwirrung.

Geduld ist die Energie, die aus dem Glauben kommt und so über die Maße von Effizienz, Rentabilität und Optik hinausgehen kann.  Demut ist die Energie, die aus der Selbsterkenntnis kommt.

 

Wo Armut ist mir Fröhlichkeit, da ist nicht Habsucht oder Geiz.

Armut ist die Lebensweise eines Menschen, der sich festgemacht hat in Gott als dem Reichtum, der allein genügt. Armut aus dem JA geboren, hat noch was zu  lachen. Fröhlichkeit ist die vom Evangelium her eingefärbte Lebensweise - "Evangeliumsfarbe".

 

Wo Ruhe ist und Betrachtung, da ist nicht Aufregung und unsteter Geist.

Ruhe ist die Verfassung der Gelassenheit, die aus dem Glauben kommt, dass immer und überall und in allem Gott seine Hand im Spiel hat. 
Betrachtung ist:

Vergegenwärtigung der Wahrheit
Vergegenwärtigung in der Wahrheit
Siedeln / Wohnen in der vergegenwärtigten Wahrheit

 

Wo Furcht des Herrn den Wohnraum hütet, da kann der Feind keinen Ort zum Eindringen finden.

Furcht des Herrn ist Ehrfurcht als Erkenntnis und Anerkenntnis Gottes, der die Maße gibt. 
In der Furcht des Herrn geschieht Lebensübergabe an Gott als Schutzraum.

 

Wo Erbarmen ist und Besonnenheit, da ist nicht Überfluss noch Verhärtung.

Erbarmen ist die Grundform von Mütterlichkeit. 
Besonnenheit ist Vorsicht, Umsicht, Rücksicht, Behutsamkeit - und so die Erscheinungsform von "Wahrheit in Liebe".

 

tau

Vielen Menschen unserer Zeit gilt das Tau als Erkennungszeichen für franziskanische Schwestern und Brüder. 
Und tatsächlich war das Tau eines der bevorzugten Symbole des hl. Franz von Assisi. Vielleicht hat er gehört, was Papst Innozenz III. auf dem vierten Laterankonzil in Rom gesagt hat: Er ging damals in einer Predigt auf das Tau-Zeichen ein.
Dieses Zeichen finden wir übrigens auch in der Bibel: Im Buch Ezechiel, Kapitel 9, wird das Tau all denen auf die Stirn gezeichnet, die gerettet werden sollen. Denn die Stadt war von Gott abgefallen und sollte vernichtet werden. Aber Gott hat Erbarmen und gibt den Auftrag: „Von denen, die das Tau auf der Stirn haben, dürft ihr keinen anrühren!“ (Ez 9,6)
Und Israel macht tatsächlich die Erfahrung: Wer das Zeichen Tau auf der Stirn trägt, der wird gerettet, der bleibt von der Vernichtung verschont und darf leben.


Was ist es nun für ein geheimnisvolles Zeichen?
Das Tau ist Bestandteil von zwei Alphabeten: als TAU kommt es im griechischen Alphabet vor und als TAW ist es der letzte Buchstabe des hebräischen Alphabets. Wenn wir versuchen, das Wort Tau im Zusammenhang der Bibelstelle (Ez 9) zu übersetzen, geben die Wörter „Zeichen“ oder „Siegel“ wohl am besten wieder, was gemeint ist.


Franz von Assisi nutzte dieses Zeichen gern: Wir haben einen Brief mit einem Segenswunsch, den er an Bruder Leo geschrieben hat, und den er mit dem Tau-Zeichen gleichsam unterschrieben hat. Der Biograph des Franziskus, Thomas von Celano, berichtet außerdem, dass das Ordenskleid des Heiligen in der Gestalt eines Tau-Kreuzes geschnitten war. Nicht zu unrecht also ist das Tau heute ein Symbol für franziskanisches Leben.

Tau – Du bist geborgen.

Lass dich besiegeln mit dem Tau und wisse, dass du zu einer Gemeinschaft gehörst: Einer weltweiten Gemeinschaft von Schwestern und Brüdern, Menschen, die mit dir gemeinsam auf dem Weg sind.

Tau – Du bist gerettet.

Lass dich besiegeln mit dem Tau und wisse, dass es ein Zeichen ist, das dir von Gott her zukommt, ein Siegel, das der Herr dir eingedrückt hat: Du bist gerettet, erlöst - befreit zum Leben. Weil Jesus für dich am Kreuz gestorben ist, weil er aus dem Grab erweckt wurde, kannst du leben! Eine unverrückbare Zusage des lebendigen Gottes.

Tau – Du bist gesendet.

Lass dich besiegeln mit dem Tau und wisse, dass es ein Zeichen der Sendung ist, ein Zeichen der Erinnerung: Hab Mut, wie Franziskus unserem Herrn Jesus Christus nachzufolgen und seine Gute Nachricht zu leben – auf Menschen hin und in die Welt hinein.

Ich wünsche dir,

dass der menschenfreundliche Gott dich segnen möge.
Das TAU möge dir ein Zeichen sein, damit du nie vergisst: Du – und hier setz deinen Namen ein – bist Gottes geliebter Mensch. Ja: Du! Von Gott geliebt, unendlich geliebt.
Die Zusage, die Gott der Herr, dem Volk Israel damals dort gegeben hat, sie gilt auch für dich hier und heute und sie wirkt fort für alle Zeiten. Auf dass du es nie vergessen mögest: Gott geht alle Wege mit.
Und weil er geht, kannst auch du gehen – hin zu Mensch und Welt.
Auf und geh und verkünde seine Botschaft der ganzen Schöpfung! Erzähle den Menschen von seinem froh machenden Wort, schaffe Werke von Gerechtigkeit und Frieden, aber vor allem tu eins: Lebe!
Lebe als erlöster Mensch, als Mensch, der weiß, dass es gut ausgeht, als Mensch, der strahlt, weil Gott ihn liebt.
Und noch einmal, sei gewiss: Der Herr segnet dich und behütet dich, er wendet dir sein Angesicht zu und wird dir Frieden schenken!
Und das ist mehr als ein frommer Wunsch von mir für dich, das ist eine Gottes-Zusage.
Aus der Botschaft des Tau mögest du leben! Amen.

Leben im Zeichen das Tau - Zeichen der Erneuerung

tau

Franziskus wandelt das Zeichen des Tau um vom Kampfes- und Auserwählungszeichen zum Zeichen des Friedens, der durch Wehrlosigkeit und Versöhnung erreicht wird, nicht nur  für sich, sondern gerade für die, gegen die wir uns leicht wenden.

Das Tau sybolisiert die Wiederherstellung der Welt und der Kirche zutiefst in ihrer Einheit der geistlichen Berufung, die immer eine Berufung des Frieden ist. Keine geistliche Gemeinschaft kann sich im Hier und Heute einrichten. Es braucht das lebendige Bewusstsein, dass der Herr zusammenführt, und dabei die Bereitschaft zur Pilgerschaft, zum Aufbruch und zum Frieden.

Wo die Gemeinschaft nur sich selbst genügt, wenn in ihr nur ein ökonomischer Geist, ein Konsumgeist, ein Machtgeist den Alltag beherrschen, verfällt sie und verliert ihre eigentliche Bestimmung.

Drei Dinge fördern eine geistliche Gemeinschaft und bewahren die je eigene Berufung:

- Persönliches Beten: Erst die Freude am Gebet führt zum gemeinschaftlichen Beten.
- Geistlicher Austausch: Gefährlich ist die alleinige Selbstberatung gerade in der Not der Seele. Aus dem geistlichen Wort des Bruders und der Schwester spricht der Herr.
- Verankerung im Mysterium der Kirche, die nicht nur Institution ist, sondern zutiefst Leib des Herrn.

Das Tau wird so zum Zeichen einer erneuerten Menschenwelt, in der wir uns nicht verachten und bekriegen, sondern achten und versöhnen, Frieden ist möglich.

 

Leben im Zeichen das Tau - Zeichen des Lebens

T2

Das Zeichen steht für einen positiven Lebensausdruck. Es entspricht in seiner stilisierten Form einem zu seiner vollen Entfaltung gelangten Baum: Der Stamm erhebt sich in die  Höhe und zugleich wächst er voll in die Breite. Das, was Franziskus mit seinem Leben erstrebt, drückte er mit dem Zeichen des Tau aus.

Das Tau hat eine Mitte, in der diese ganze Lebenswirklichkeit steht. Wie in einem Angel- oder Knotenpunkt ist hier das Leben verfügt. Wir können von diesem Punkt, wo Vertikale und Horziontale sich berühren, ausgehen. Jedes Leben, besonders jeden Menschen, verstehe ich dann von dem Punkt her, wo sich die Höhe und Breite seines Lebens kreuzen. So begreife ich seine geschichtliche und natürliche Entfaltung. Franziskanisches Leben versteht sich daher als Liebe zur Fülle des Lebens.

Das Tau ist ein einfaches Zeichen, in welchem die Fülle der Wirklichkeit des Lebens auf die einfachen Grunddimensionen zurückgeführt ist. Der einfach Blick auf ein Stück Holz mag dem vergleichbar sein.

 

Leben im Zeichen das Tau - Zeichen der Befreiung

T3

Das Tau ist auch ein Zeichen der endgültigen Befreiung des Menschen von Drangsal und Untergang. Die Geschichte Jesu und aller, die an ihn glauben, führt zur Endgestalt des  befreiten und erneuerten Menschen. In den Bedrängnissen der Endzeit steht Jesus dem Glaubenden nahe, der sich an ihn halten kann. Um ihnen ein Zeichen der Befreiung zu geben, erhalten seine Anhänger in der Apokalypse das Zeichen (des Tau) auf die Stirn.
Franziskus sieht dieses Zeichen gern als Hoffnungssymbol für die Menschen. Franziskanisches Leben ist auf ein gute und gelingende Zukunft angelegt. Keiner braucht sich verloren zu wähnen. Franziskanische Menschen gehen mit einer Zukunfts- und Ermutigungsbotschaft durch die Welt. Jeder ist bedeutsam und darf das Zeichen der Befreiung annehmen.
Wichtig ist dies: Nicht der Mensch befreit sich aus sich, er steigt in die Befreiungsgeschichte Gottes ein und hat so sein Leben.
Franziskanisches Gemeinschaftsleben ist als Befreiung durch den Herrn zu verstehen. Er ruft konkret die Gemeinschaft zusammen. Nicht einzelne verbinden sich zum gemeinsamen Engagement, vielmehr verbindet sie der Herr zu Brüdern und Schwestern und so zum gemeinsamen Frieden.
Jeder muss sich persönlich bemühen, sich im Gebet und Gespräch vor Augen zu halten, dass der Herr selbst uns zusammenführt. Nicht gegenseitige Sympathie und Bewunderung sind es, die unser Zusammenleben begründen, sondern der Herr.
Wird die Gemeinschaft so zusammengeführt, dann folgt aus dem geistlichen Auftrag der soziale oder pädagogische oder katechetische und andere Auftrag. Gerade in diesen Aufträgen wird sich die Wahrhaftigkeit des geistlichen Auftrages zu bewähren haben.

 

Leben im Zeichen das Tau - Zeichen des Wohlwollens

T4

Leben im Zeichen des Tau bedeutet für uns Menschen: Ich bin dem anderen gut gesinnt und auf sein Heil und Wohl bedacht. Darin liegt immer ein Überschuss an Freundlichkeit, die  dem Mitmenschen zuerst geschenkt wird, unabhängig davon, ob er es verdient oder nicht, ober er sie mir erwidert oder nicht. Leben ist immer am Leben des anderen interessiert und will die Entfaltung seines Lebens.
Das Tau ist Segenszeichen, das Wohlwollen und Trost schenkt. Es ist aber auch ein Zeichen brüderlicher und verstehender Nähe. Sie trägt den anderen mit, der schwächer ist, ohne herrschaftlich zu sein.
Im Ordensleben geht es um den Überschuss an Wohlwollen. Wir berechnen und kalkulieren unser Zusammenleben nicht. Auch mit schwachen Brüdern können wir zusammenleben. Oft stehen wir in der Versuchung, uns eine ideale Gemeinschaft zu wünschen und die bestehende zu verleugnen. Das wirkt nicht aufbauend; es hilft uns auch in der geistlichen Berufung nicht.
Im Zeichen des Tau schauen wir mit Wohlwollen auf den Bruder, auf die Schwester, wie auch immer sie gebaut sind, und schauen ihr Leben auf seine Verheißung hin an. Gerade jene, die mir eine Last sind, sind auch von Gottes Liebe angenommen und dazu berufen, mit mir Erben seines Reiches zu sein.
In diesem Lichte rechtfertigt sich eine Ordensgemeinschaft nicht aus ihren menschlichen Voraussetzungen allein, sondern als Brüder und Schwestern, die der Herr im neuen Reich zusammenführt und die sich untereinander annehmen.

 

Leben im Zeichen das Tau - Zeichen der Beachtung

T5

Im Zeichen des Tau erhält auch die Schöpfung eine neu Qualität oder ihre eigentliche Qualität zurück. Die Natur nimmt an der Errettung teil. Daher verbietet sich ein  rücksichtsloser Umgang mit der Umwelt.
Im Zeichen des Tau gibt Franziskus der Natur die ihr zukommende Beachtung. Der Mensch darf die Natur in Dienst nehmen, aber nur in Dienst! Er hat kein Recht, sie auszubeuten oder zu vernichten. Der Umgang mit den Dingen im Zeichen des Tau ist vom Geist der Armut und Ehrfurcht geprägt, der gelten lässt. Die Welt will in ihrer Wesensart verstanden und behütet sein. Vergißt der Mensch das, schadet er sich auf die Dauer selbst.
Durch das Anbringen des Tau erhält die Umwelt ihre naturgemäße Art zurück. Ihr wird gewünscht, im vollen Leben erhalten zu bleiben, als Lebensbaum neu zu erstehen und zu wachsen. Es geht um ein Mehr an Leben. Es geht um die volle Möglichkeit der Entfaltung aller Anlagen und Kräfte. Dieses Mehr muss allerdings nicht im üppigen Wachstum liegen, es kann auch im Kleinen und Bruchstückhaftem anwesend sein. Es ist vor allem die Werthaftigkeit in sich vor Gott.

 

Leben im Zeichen das Tau - Zeichen des Kleinen

T7

Das Tau ist der kleinste Buchstabe im griechischen Alphabet. Mit dem Tau verbindet sich die Wertschätzung von allem, was ist, mag es noch so klein sein. Kein Ding ist  unbedeutend, erst recht kein Mensch.
Franziskus nahm im Kleinen das Große wahr. Jedes Ding ist in sich wert. Jeder Mensch hat in sich Bedeutung als Bruder unabhängig von Klein und Groß.
Das Kleine repräsentiert im Zeichen des Tau die Fülle des Lebens. Mag ein Mensch noch so klein sein. Im Sinngefüge des Tau hat er seinen Wert.
Franziskus erfährt sich selbst als der Kleine, um im Kleinen Gott alle Möglichkeiten des Größeren zu lassen. Vor Gott ist der Mensch immer klein, aber gerade dem Kleinen offenbart er sich.
Das Kleine in der Gestalt des Tau ist für Franziskus wie ein Schatz, den er gefunden hat, wie ein Schlüssel zum Geheimnis des Lebens der Welt, und eine Freude über diesen Reichtum, der letztlich zählt.

 

Leben im Zeichen das Tau - Zeichen der Zuversicht

T8

Das griechische Wort für niedrig (tapeinos) beginnt mit dem Buchstaben Tau. Die wegen der Erwartung des Heils Bedrängten und Zurückgestoßenen können Hoffnung haben und  auch jeder, der erniedrigt ist, durch welche Lebenssituation auch immer bedingt.
Das Tau wird zum Verheißungszeichen für alle, die ein neues Leben von Gott her, wie Maria, erwarten. Die Künderin dieses Heils, das im Zeichen des Tau aufgegriffen wird, ist Maria selbst. Sie ist den Armen und Niedrigen, den Einfachen und Beherrschten solidarisch nahe und deren erste Hoffnungsträgerin. Für eine franziskanische Betrachtung ist Maria auch deswegen auf der Seite der Kleinen, die von sich aus keine Mächtigkeit und keinen Anspruch vor Gott vorweisen können.
Die im Zeichen des Tau übernommene marianische Haltung ist die freudige und preisende Zuversicht der Kleinen und Erniedrigten auf die volle Erfüllung ihres Lebens als Geschenk des Heils durch Gott.
Wer sich bei den Niedrigen wiederfindet und vor dem Mitmenschen und vor Gott nicht mächtig wähnt und auf die eigene Leistung baut, wächst auch heran wie ein neuer Lebensbaum, wie ein Rosenbaum, der in Gottes Wohlgefallen voll zur Blüte kommt.

Viele, die das Wort „Ablass“, empfinden Unbehagen. Martin Luther geriet wegen des Ablasses in theologische Auseinandersetzungen mit Rom. Der Ablassstreit war auslösendes Moment der Kirchenspaltung. Die Kirche hat auch nach dem II. Vatikanischen Konzil am Ablass festgehalten.

Ohne das nötige Bewusstsein von Sünde und Schuld gibt es keinen Zugang zum Ablass. Es ist wichtig, sich im Hinblick auf bestimmte Situationen bewusst zu machen: Ich habe mich von Gott, seinem Willen und seiner Liebe losgemacht; ich habe mich Gott und seiner Liebe entzogen.

Zu diesem ersten Schritt muss ein zweiter kommen: Wer an die Liebe Gottes glaubt, wird erkennen müssen, dass er durch sein eigenes Verfehlen auch mitschuldig wird an einer Welt, die unerlöst und friedlos, ungerecht, voller Konflikte und Schmerzen ist. Wer glaubt, wird diese Erkenntnis immer wieder ummünzen in die Bereitschaft umzukehren. Umkehr geschieht vor allem im Gebet, im Lesen des Wortes Gottes, im Gottesdienst, im Bußgottesdienst und vor allem im Empfang des Bußsakramentes. In diesem Sakrament gibt Gott dem Sünder nicht nur Vergebung, sondern auch die Zusage seines Beistandes, des Hl. Geistes.

Zentral für das Verständnis des Ablasses ist eine notwendige Unterscheidung: Sünde und Schuld auf der einen Seite, Schaden und folgen auf der anderen Seite. Die Sünde ist zwar vergeben, aber was ist mit den Folgen?

Jede Sünde hat ihre Strafe in sich selbst. Mit der Vergebung der Sünde sind noch nicht alle Folgen der Sünde (Sündenstrafen) aus der Welt geschafft. Es bedarf einer besonderen Anstrengung des Aufarbeitens oder Wiedergutmachens.

Im Bemühen um Korrektur, in dem oft schmerzhaften Abtun von Gewohnheiten, in dem ehrlichen Willen zum Aufarbeiten, bietet uns die Kirche ihre Hilfe an, ihre Fürbitte, ihr stellvertretendes Einstehen vor Gott.

Der Ablass ist die Zusage der Kirche durch ihre obersten Seelsorger, den Papst, dass sie dem, der sich in ihrem Sinne um Wiedergutmachung bemüht, zur Seite steht.

Die Kirche ist ein lebender Organismus, in welchem Gebet, Opfer, Liebe, Leiden, gute Taten, Verfolgung und Sterben für Christus, alles, was heilige Glieder der Kirche getan haben und tun, vor alles was Jesus Christus selber getan hat, dem umkehrwilligen Sünder zu Gute kommen. Je mehr sich einer dieser Hilfestellung anvertraut, um so mehr darf er hoffen, dass die Folgen seiner Schuld vollkommen in Ordnung kommen.

Wer einen Ablass gewinnt, erhält keine Amnestie, er gewinnt für sein Bemühen den Beistand der kirchlichen Gemeinschaft. Was aus der Sünde folgt, was wir nicht einfach ungeschehen machen können, kann nicht mit einem Federstrich annulliert werden. Der Büßer darf gewiss sein, dass er in Gemeinschaft mit Christus und allen Heiligen jene Kraft, jene Gnade, jenen Beistand erhalten wird, den er nötig hat, um seinen Umkehrweg zu Ende zu gehen. Die Kirche versichert ihm aufgrund seines guten Willens: Es wird alles gut.

Der Portiunkula-Ablass kann am 02. August oder am darauf folgenden Sonntag (ab 12 Uhr des Vortages bis 24 Uhr des betreffenden Tages) in den Ordenskirchen und öffentlichen Kapellen der franziskanischen Ordensfamilien, in allen Pfarrkirchen u. in den Filialkirchen mit eigenem Sprengel, jedoch nur einmal insgesamt als vollkommener Ablass gewonnen werden.

Voraussetzungen sind der Besuch einer dieser Kirchen mit dem Gebet Vaterunser u. dem Glaubensbekenntnis, sowie die üblichen Bedingungen: Beichte mit entschlossener Abkehr von jeder Sünde, Kommunionempfang und Gebet nach Meinung des Hl. Vaters (z.B. Vaterunser und Gegrüßet seist du, Maria oder ein anderes Gebet nach freier Wahl).

Die drei zuletzt genannten Bedingungen können mehrere Tage vor oder nach dem Kirchen-besuch erfüllt werden. Fehlt die volle Disposition od. bleibt eine der Bedingungen unerfüllt, gewinnt man einen Teilablass.

Mehr über die Minoritenkirche in unmittelbarer Nähe zum Konvent und zu St. Kolumba erfahren Sie hier: