Die Wichtigkeit des Anfangs

Ein Impuls von Gemeindereferent Tobias Wolf
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Datum:
4. Dez. 2020
Von:
Gemeindereferent Tobias Wolf

Evangelium vom Sonntag: Mk 1,1-8
Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes: Es begann, wie es bei dem Propheten Jesaja steht: Ich sende meinen Boten vor dir her; er soll den Weg für dich bahnen. Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen! So trat Johannes der Täufer in der Wüste auf und verkündigte Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden. Ganz Judäa und alle Einwohner Jerusalems zogen zu ihm hinaus; sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen. Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften, und er lebte von Heuschrecken und wildem Honig. Er verkündete: Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken, um ihm die Schuhe aufzuschnüren. Ich habe euch nur mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.

 

Gedanken zum Text von Tobias Wolf
Wenn ich in der Mayerschen oder im Taschenbuchladen auf der Zülpicher Straße stehe und überlege, ob ich ein Buch kaufen soll, lese ich immer die erste Seite. Manchmal eine Seite mittendrin noch dazu, niemals das Ende. Aber immer die erste Seite. Der Anfang ist wichtig. Er setzt normalerweise schon den Ton, das Thema und die Perspektive. Am Anfang der Bibel z.B. wird erzählt, wie Gott eine Welt schafft, die so geordnet ist, dass sie dem Leben aller Wesen dient, eine Welt, zu der Gott in all ihren Bestandteilen sagen kann: „Es ist gut.“ Das prägt auch die Geschichten mit, die davon erzählen, dass die Welt nicht jederzeit und überall gut geblieben ist. Die Geschichten von Trauer, Schuld und Tod sind durch diesen Anfang definiert: Gott hat es anders gewollt. Im Ursprung, im Anfang war sie anders.
Hier also, im ältesten Evangelium wird am Anfang an Jesaja erinnert. Ziemlich deutlich das Lieblingsbuch Jesu. Immer wieder zitiert er daraus oder spielt darauf an. Als er im Tempel einen Text vorliest (Lk 4,16-20), ist es die Verheißung eines Gnadenjahres aus dem Buch Jesaja (Jes 61,1-2). Ob die Völkerwallfahrt zum Zion (Jes 2,2-4), der Tierfrieden (Jes 11,6-8) oder das Festmahl auf dem Zion, zu dem ich vor einigen Wochen etwas geschrieben hatte (Jes 25,6-8): Immer wieder erschafft dieses Buch Bilder vom Reich Gottes, vom So-wird-es-einmal-sein, die erspüren lassen, wie es sein wird, wenn Gott nicht mehr von seinem Volk getrennt, sondern mitten unter ihnen lebt. Wenn die gute Schöpfungsordnung endgültig wiederhergestellt ist.
Und genau das passiert, indem Jesus kommt: Gott lebt mitten unter uns, er ist einer von uns und für immer auf unserer Seite.