Erwartungen

Ein Impuls von Pastoralreferent Thomas Zalfen
Taufe Christi - Darstellung auf dem Dreikönigenschrein im Kölner Dom
Taufe Christi - Darstellung auf dem Dreikönigenschrein im Kölner Dom
Datum:
8. Jan. 2021
Von:
Thomas Zalfen

Liebe Gemeindemitglieder, 

 

die Coronapandemie hält an. Die Zahlen gehen nicht runter. Jetzt die 15 km Regel. In den USA demontiert ein abgewählter Präsident die Demokratie … Und ich komme Ihnen mit dem Markusevangelium! Nun ja, wir sind bei „Kirchens“. Und ich bin vom Markusevangelium (MK 1,2-4.7-11) echt fasziniert und finde, dass es auch nach fast 2000 Jahren uns heute etwas zu sagen hat. 

 

Markus eröffnet die ganz große Bühne. Er lässt Johannes auftreten und bemüht für Ihn die ganze Tradition, die ihm zur Verfügung steht. Aber dieser vom Propheten vorhergesagte, wortgewaltige Prediger ist noch nicht genug. Dieser Johannes spricht von einem, der noch stärker ist, und das, was dieser Stärkere tun wird übertrifft die Taten des Johannes bei weitem. (Johannes tritt ab, und räumt den Platz für einen der jetzt dran ist. dass das nicht mehr selbstverständlich ist, zeigen die aktuellen Geschehnisse in den USA. Für Markus ist aber klar, dass nur so, Gott in unserer Welt zum Zug kommen kann – Das sei hier aber nur am Rande erwähnt.) 

Mir ist die Erwartung wichtiger, die Markus über den Täufer und seine Worte aufbaut. Wir kennen den Plot und wissen was kommt, aber eigentlich dürfen alle Leser*innen jetzt eine wahre Attraktion erwarten. Etwas Ungeheuerliches, nie da gewesenes. Und was kommt? 

Jesus. Ein Mann aus einem unbedeutenden Kaff aus einer Gegend, die suspekt ist, weil dort Juden mit Heiden gemischt leben. Ist das etwa der Stärkere? Warum lässt er sich aber dann von Johannes taufen? Hat er etwa auch Buße und Umkehr nötig? Er soll doch angeblich mit Heiligen Geist taufen? Markus enttäuscht im wahrsten Sinne des Wortes seine Leser*innen. Immer wieder in seinem Evangelium weckt er Erwartungen, die dann aber anders erfüllt werden, wie man eigentlich denkt. 

Es passiert dann aber doch etwas Außergewöhnliches. Der Geist kommt als Taube aus dem zerrissenen Himmel und eine Stimme ist zu hören! Haben Sie schon mal einen zerrissenen Himmel gesehen? Markus benutzt das Wort „zerreißen“ nur hier und beim Tod Jesu, als der Vorhang im Tempel zerreißt. - Aber soweit haben wir ja noch nicht gelesen. - Erst mal bleibt dieses ungewöhnliche Bild des zerrissenen Himmels hängen. Und wenn Sie genau hinschauen. Markus erzählt nicht wer dabei ist. Genau genommen bekommt nur Jesus das mit der Taube, dem Himmel und der Stimme mit! – Nur Jesus – und Wir! Markus gibt uns eine Lesehilfe mit auf den Weg. Der, dem Johannes die Bühne so fulminant bereitet hat, der aber nichts Starkes an sich hat oder vorweisen kann. Dieser ist in der Überzeugung des Markus Gottes geliebter Sohn. Also der, in dem die ganze Lebenskraft und Gegenwart Gottes erfahrbar ist. Diese, seine Überzeugung gibt uns Markus mit uns auf den Weg. Er lädt uns ein, seine Erzählung, sein Evangelium nun mit diesem „Wissen“ zu lesen und zu schauen, ob unsere Vorstellungen vom Stärkeren, unsere Vorstellungen von Gottes geliebtem Sohn mit dem übereinstimmen, was Jesus sagt und tut. 

Markus sagt uns nicht einfach: So ist es und nun friss oder stirb. Er lädt uns ein mit der Brille seiner Überzeugung sein Evangelium zu lesen und unsere eigenen Erfahrungen und Erwartungen damit in Dialog zu bringen. Er möchte, dass wir, jeder / jede ganz persönlich, uns die Frage stellen: Wer ist dieser Jesus von Nazareth für mich? 

Dieser Einladung gehen wir in den Evangelien der Sonntage dieses Jahres nach. Ich biete auch an, jedem 1. und 3. Montag im Monat in einem Gottesdienst mit Bibelgespräch um 19 Uhr in St. Gereon auf dieser Spur zu bleiben. (Nächster Termin 18. 01.) Ob dies vielleicht auch über eine Videokonferenz in der Pandemie-Zeit gehen kann, schauen wir gerade. Sie sind auf jeden Fall eingeladen teilzunehmen. 

Wenn Ihnen das zu viel ist oder zeitlich nicht passt: Ich verschicke immer eine Zusammenfassung unserer Gespräche. Melden Sie sich gerne, ich nehme Sie dann in den Verteiler auf: Thomas.zalfen@erzbistum-koeln.de 

 

Im Namen aller Seelsorger*innen an St. Gereon einen gesegneten Sonntag und ein gutes Hineinfinden in den Alltag des neuen Jahres. 

Ihr Thomas Zalfen, Pastoralreferent