Gott des Friedens

Impuls zum 3. Adventssonntag von Pfarrer Bernhard Wagner
Frieden
Frieden
Datum:
11. Dez. 2020
Von:
Pfarrer Bernhard Wagner

In seinem ersten Brief an die Christen in Thessalonich, der ältesten uns erhaltenen christlichen Schrift überhaupt, nennt Paulus Gott den „Gott des Friedens“. Der Beter eines Psalms im Alten Testament geht noch weiter, wenn er sagt, dass „Gott den Kriegen ein Ende setzt“.

Wenn ich das bete, denke ich mir oft: Wenn er das doch mal etwas häufiger tun würde. Angesichts von fast 50 Kriegen und bewaffneten Konflikten auf der Welt hätte er ja heute viel zu tun. Aber die Vorgehensweise Gottes scheint eine andere zu sein, und wenn wir den Satz bei Paulus weiterlesen, erfahren wir, in welche Richtung der Apostel denkt: „Der Gott des Friedens heilige euch ganz und gar.“ Das soll vielleicht heißen: Gott möchte jedem von uns seinen Frieden weitergeben, er will uns zu Menschen des Friedens machen, damit sich der Frieden in unserer Umgebung ausbreiten kann, und damit an den Orten, wo es nötig ist, sich Menschen mit seiner Hilfe für ein Ende der Kriege einsetzen, so schwierig das meist auch ist.

Der Satz im 1. Thessalonicherbrief enthält aber noch einen Gedanken, der zum Kern der Botschaft des Christentums gehört. Heiligkeit ist nicht in erster Linie unsere Leistung, sondern Gott bewirkt sie in uns. Dabei ist nicht die Tatsache, dass ein Mensch getauft ist und der Kirche angehört, der entscheidende Faktor. Dass es im Innern der Kirche viel Sünde gibt, daran werden wir gerade in derletzten Zeit oft erinnert, so massiv, dass es schmerzhaft ist. Wir Menschen können dem Wirken Gottes so viel Widerstand entgegensetzen, dass er nichts erreicht. Wir können uns aber auch Gott zuwenden und unsere Beziehung zu ihm lebendig halten, durch Zeiten des Gebetes, oder indem wir unsere Augen öffnen für die Gegenwart Gottes in den anderen. Dann kann Gott in uns wirken. Paulus sagt ein paar Sätze weiter mit großer Zuversicht: „Gott ist treu, er wird es tun.“

Frère Roger, der Gründer der Gemeinschaft von Taizé, hat vor Jahren ein Gebet formuliert, in dem es heißt: „Warum sollten wir, bevor wir zu dir gehen, erst darauf warten, dass sich unser Herz ändert? Du änderst es jeden Tag von neuem, ohne dass wir wüssten, wie.“

Text: 1 Thessalonicher 5,14 - 24