Was der Advent und die Pandemie uns lehren können

Biblische Gedanken zum Warten von Pfarrer Peter Seul
corona warten
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Datum:
27. Nov. 2020
Von:
Pfarrer Peter Seul

Mit einem Wort lässt sich vieles in der Adventszeit bezeichnen: Warten. Warten auf das Fest! Dem Anschein nach konzentriert sich Warten auf die letzten Wochen des Jahres. Doch Warten gehört nicht nur zum Advent. Es ist auch und gerade angesagt in der Zeit der Pandemie. Wir müssen lernen, geduldig zu warten. Denn keiner von uns weiß, wie lange wir noch mit dem Corona-Virus leben müssen und wann eine „neue Normalität“ sich einstellen wird.

Uns Christen heute verbindet mit den Menschen zur Zeit der Bibel die Hoffnung, dass sich am Ende alles gut fügen wird: dass das Licht die Dunkelheit besiegt, dass Gott alle Tränen abwischen und eine Zeit eines immerwährenden Friedens eintreten wird. Schauen wir uns einige Impulse der Bibel an.

Die Psalmen sind Zeugnisse für ein unverschämtes Gottvertrauen. Der Beter des 145. Psalms gibt ein gutes Beispiel. Er ist gegen allen Augenschein davon überzeugt, dass Gott es am Ende gut ausgehen lassen wird, dass er die Niedergeschlagenen aufrichtet und die Hungrigen satt macht: „Aller Augen warten auf dich und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit“ (Ps 145,15). Es lohnt sich also,zu warten. Und es ist sinnvoll, sich während des Wartens im Gebet an die bisherigen guten Erfahrungen mit Gott zu erinnern.

Wer schon einmal ernsthaft krank gewesen ist, vielleicht eine schwere Operation hinter sich hat, der kennt die erlösende Kraft des ersten Morgenlichts. So ähnlich geht es auch dem Beter von Psalm130: „Meine Seele wartet auf meinen Herrn mehr als die Wächter auf den Morgen“ (Ps 130,6). Er kann geduldig warten, weil er weiß: Das Licht wird kommen. Jeden Tag neu.

Der Prophet Jeremia spricht den Israeliten, die nach Ninive verschleppt worden sind, Trost und Mut zu: „Mein Plan mit euch steht fest: Ich will euer Glück und nicht euer Unglück. Ich habe im Sinn, euch eine Zukunft zu schenken, die ihr erhofft“ (Jer 29,11). Die ins Exil Verbannten dürfen also voll Hoffnung auf ein gutes Ende warten: Sie werden von Gott zurück in die Heimat geführt.

Johannes der Täufer erlebt im Gefängnis eine tiefe Krise, Dunkelheit und Zweifel. Was er von Jesus hört, passt nicht zu dem, was er sich erwartet hat. Er schickt jemand zu ihm und lässt ihn direkt fragen: „Bistdu der, der kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten“ (Mt 11,3)? Jesus aber gibt ihm keine direkte Antwort. Er sagt nur: „Berichtet Johannes, was ihr seht und hört“ (Mt 11,4). Es tut sich also doch etwas: Blinde sehen wieder, Taube hören, Lahme gehen. Und die Frohe Botschaft kommt zu den Armen.

Der Apostel Paulus steht vor einem großen Problem: Er und seine Zeitgenossen warteten darauf, dass Jesus Christus noch zu ihren Lebzeiten wiederkommen würde. Dieser Tag des Herrn aber blieb aus. Pauluserkannte: Das ganze Leben der Christen ist eine Wartezeit, bis Jesus, der Herr, wiederkommen wird. Er mahnt die Christen, sie sollen die Hoffnung auf die Wiederkunft nicht aufgeben. „Geduldig ausharren“, heißt das Gebot der Stunde. Denn „wir sind zwar gerettet, doch auf Hoffnung“ (Röm 8,24f).

Die gegenwärtige Coronakrise kann ebenso wie die gerade beginnende Adventszeit eine gute Gelegenheit für Sie und mich werden, uns neu das geduldige Warten einzuüben!